Tadic und Kostunica führen Belgrader Kosovo-Verhandlungsteam

28. November 2005, 14:37
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Gemeinsam mit Draskovic - Kosovo-albanischer Premier Kosumi: "Kosovo in einem halben Jahr unabhängig"

Belgrad - Nach wochenlangen Diskussionen hat Belgrad das Team für die Verhandlungen über den künftigen Status der südserbischen Provinz Kosovo nominiert. Das Verhandlungsteam wird vom Präsidenten und Ministerpräsidenten Serbiens, Boris Tadic und Vojislav Kostunica, sowie dem Außenminister des Staatenbundes Serbien-Montenegro, Vuk Draskovic, angeführt. Dies wurde bei der Sitzung der serbischen Regierung am Donnerstag entschieden, wie Belgrader Medien meldeten. Die offizielle Nominierung des Teams erfolgte unmittelbar vor dem ersten Besuch des UNO-Chefverhandlers für das Kosovo, Martti Ahtisaari, in Belgrad.

Tadic und Kostunica, die in der Kosovo-Frage nicht immer einer Meinung waren, fungieren als Vorsitzende des Verhandlungsteams. Weitere Mitglieder der serbischen Delegation sind jeweils zwei Berater von Tadic und Kostunica sowie die Vorsitzende des Belgrader Koordinierungszentrums für Kosovo und Metohija (Metochien), Sanda Raskovic, und Vertreter der Kosovo-Serben, Marko Jaksic (Mitglied der Demokratischen Partei Serbiens von Kostunica) und Goran Bogdanovic (Mitglied der Demokratischen Partei von Tadic). Zudem wird der Schweizer Professor und Staatsrechtler Thomas Fleiner das Belgrader Team unterstützen. Auch andere Berater könnten noch hinzugezogen werden, hieß es in Belgrad.

Belgrad bekräftigt Standpunkte

Bei ihrem ersten Treffen mit Ahtisaari am Donnerstag in der serbischen Hauptstadt bekräftigten Kostunica und Draskovic die Standpunkte Belgrads zum Kosovo-Status: Wahrung der Souveränität und Gebietseinheit Serbiens sowie Schutz der Minderheiten in der Provinz. Von wesentlicher Bedeutung seien die Wahrung der aktuellen internationalen Staatsgrenzen zu Albanien und Mazedonien und internationale Garantien für den Schutz der serbischen und anderen nicht-albanischen Volksgruppen im Kosovo, präzisierte Draskovic.

Die Strategie Belgrads auf der Suche nach einer Lösung für die Status-Frage sei eine "europäische". Sie stehe mit den Empfehlungen aus dem Kosovo-Bericht des UNO-Sondergesandten Kai Eide sowie den Prinzipien der Kontaktgruppe (USA, Russland, Großbritannien, Deutschland, Italien und Frankreich) für die Status-Verhandlungen im Einklang, betonte Draskovic. Ahtisaari und sein Stellvertreter, der österreichische Diplomat Albert Rohan, führen am Freitag Gespräche mit Tadic und dem serbisch-orthodoxen Patriarchen Pavle I.. Im Anschluss sind Besuche in Podgorica, Tirana und Skopje sowie in Mitgliedsstaaten der Kontaktgruppe geplant.

Kosovo bekräftigt Standpunkte

Der Kosovo-albanische Premier Bajram Kosumi bekräftigte unterdessen den Standpunkt Pristinas: "Die Statusverhandlungen haben den einzigen Zweck, einen unabhängigen und souveränen Kosovo-Staat zu schaffen." Kosumi geht davon aus, dass die Provinz schon in einem halben Jahr unabhängig sein wird. Die Kosovo-Albaner würden mit Belgrad auch nicht über die Unabhängigkeit verhandeln, sondern nur über praktische Fragen "wie Reisedokumente oder den Schutz des kulturellen (serbischen) Erbes", sagte er am Donnerstag in Pristina in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Kosovo sei seit der Einführung der UNO-Verwaltung (UNMIK) vor sechs Jahren "praktisch hundertprozentig unabhängig von Serbien".

Belgrad setzt sich für den Verbleib der seit 1999 von der UNO verwalteten Provinz bei Serbien ein. In einer im Parlament verabschiedeten Resolution wird den Kosovo-Albanern, die vehement in die Unabhängigkeit drängen, eine weit gehende Autonomie angeboten. (APA)

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