Betriebsräte sperren sich gegen Umzug

27. Dezember 2005, 17:13
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Die Neuwahl des ORF-Generaldirektors 2006 spielt in der Standortfrage eine zentrale Rolle

Wer im August 2006 Generaldirektor von Österreichs größtem Medienunternehmen werden will, sollte den ORF auf dem Berg lassen. Heinz Fiedler hat sich festgelegt: Mit seiner Stimme kann nur rechnen, wer den ORF dort belässt. Er ist bürgerlicher Zentralbetriebsratschef. Fünf der 35 Stiftungsräte, die mit einfacher Mehrheit den General wählen, stellt der Betriebsrat.

Warum ist Fiedler die Lage so wichtig? Um neuerlich dem Zentralbetriebsrat vorzustehen, reichten 2004 dessen bürgerliche Mitglieder nicht. Er schaffte es nur mit den Stimmen der sozialdemokratischen Kollegen. Die vertreten die viele hundert Mitarbeiter zählende ORF-Technik. Ihnen ist er etwas schuldig.

Leistungen zukaufen

Baut sich der ORF eine neue Bleibe, muss sich die Geschäftsführung genau überlegen, ob sie tatsächlich alle Abteilungen noch braucht. In der Technik ließe sich mancher Bereich in Tochterfirmen auslagern, wie es der ORF schon mit seinem Sendernetz getan hat. Die Schweizer SRG hat ihren kompletten Produktionsbetrieb ausgelagert, der damit einfacher Aufträge anderer Sender annehmen kann. Darüber denkt auch die Wiener Anstalt nach. Einige Leistungen könnte der ORF auch zukaufen, statt sie im Haus zu erledigen. All das schmälert freilich die Machtbasis der Technikbetriebsräte.

Auf die Stimmen der zwei roten Betriebsräte im ORF-Stiftungsrat kann der nächste General 2006 kaum hoffen, ob er nun neuerlich Monika Lindner heißt oder etwa Werner Mück, heute TV-Chefredakteur. Auch der nächste General braucht eine bürgerliche Mehrheit im Stiftungsrat. An der bastelt die ÖVP gerade eifrig, etwa mit dem Intensivwahlkampf Kurt Bergmanns für die Wahl des Publikumsrates Ende November. Selbst wenn es für Bergmann & Co gut läuft und die ÖVP ihrem Koalitionspartner noch Regierungsmandate im Stiftungsrat abverhandelt, bleibt ihre Mehrheit knapp. Da zählt jede Stimme - nicht zuletzt jene des mächtigen Zentralbetriebsratschefs und des zweiten schwarzen Zentralbetriebsrates im Stiftungsrat. Fiedler war schon Königsmacher bei Lindners Wahl 2001.

Versprechen an den Betriebsrat

Die Geschichte kennt freilich auch Generäle, die ihre Versprechen an den Betriebsrat vergaßen. Fiedler müsste der nächste vielleicht nicht lange im Wort bleiben: Die schwarze Eminenz ist 63, könnte längst in Pension sein. Ohne Fiedlers Willen wird ihn aber auch der nächste General nicht los - Betriebsräte kann man nicht gegen ihren Willen in Pension schicken. (Harald Fidler/DER STANDARD; Printausgabe, 24.11.2005)

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