Urlaub auf dem Oktopus

29. November 2005, 16:40
3 Postings

Die Malediven sind angeblich unter Wasser attraktiver als über Wasser - Die Insel Reethi Rah im Nordmale-Atoll dreht die Sache um

 

Wer morgens um sieben aus halb offenen Augen den ersten Blick aufs Meer wirft, sieht keine Fischer ihren Fang nach Hause bringen. Hier auf Reethi Rah im Nordmale-Atoll ist es das Segel des deutschen Windsurf-Wunderknaben Oliver-Tom Schliemann, das den Wellen einen Scheitel zieht. Und das ist einen Blick wert.

Zum einen wegen des sonnigen Morgengolds auf den sanften Wellen, die sich trotz Wind nur am Hausriff ein wenig aufpudeln, zum anderen wegen Tom-Oliver. Der Nachfahre des Troja-Entdeckers übt nämlich hier für die Olympischen Spiele 2008 mit einem Ehrgeiz (immerhin hat er als 11-Jähriger die Surf-Legende Robbie Naish vom Weltmeisterstockerl geschubst), der im Training als Speed sichtbar wird, bei dem Otto Normalsurfer die Luft weg bleibt.

Otto Normalsurfer oder Nichtsurfer...

... kann den Tag gemütlicher angehen lassen - zum Beispiel mit einem Frühstück auf der Terrasse seiner Villa, die entweder am Strand liegt oder auf Pfählen ins Wasser gebaut ist. Oder mit einer Yogastunde im Yogapavillon, mit einem Strandspaziergang, mit einer Massage im ebenso weitläufigen wie luxuriösen Spa. Wofür immer man sich entscheidet, es ist auf jeden Fall aus dem Bilderbuch tropischer Paradiesinseln.

Im Falle Reethi Rah ist es allerdings nicht vom Herrgott, sondern von der One & Only-Gruppe geschaffen, einem südafrikanischen Investor, der an geeigneten Orten (Mauritius, Seychellen) Fünfsterneresorts errichtet. Auf Reethi Rah wurden nicht nur ein paar Häuser hingestellt. Es wurde tonnenweise Sand herbeigeschifft, um der Insel die nötige Fläche und die Form eines Oktopus zu geben.

Tausende Sträucher und Palmen...

... wurden unter Anleitung eines englischen Stargartenarchitekten gepflanzt. Dem spärlichen Urbestand hatte nämlich der Tsunami mit seiner salzigen Flut den Garaus gemacht. Das waren im Übrigen die einzigen Schäden, die die Katastrophen-Welle auf Reethi Rah angerichtet hat. Ein schwacher halber Meter schwappte während der letzten Bauphase übers flache Eiland.

Wer heute in der Anlage lustwandelt, muss die Art, wie sich die Palme an die Düne schmiegt, für gottgewollt halten. Den Fünfsternekomfort des Resorts nimmt man von Menschenhand genauso gern.

Wie bei der Anlage der Insel wurde auch bei der Ausstattung der Villen bis ins letzte Detail designt und - von der deutschen Edelarmatur über den italienischen Steinboden bis zur Terrassenchaiselongue - in Qualität investiert. Details wie die Hängematten an den Terrassenrändern, auf denen man sonnenbaden und gleichzeitig den einen oder anderen Rochen im Wasser unter sich bewundern kann, erfüllen Wünsche, die einem zu wünschen bis dato nicht eingefallen wären.

Wer sich allerdings Disco-Nächte...

... und große Sangriatöpfe wünscht, wird doch enttäuscht. Die Atmosphäre ist gelassen, der Strand ist keine Aufreißzone. Etwas lauter wird es zuweilen im Strandrestaurant. Dort fängt der Abend mit arabisch-maledivischer Küche an, geht im Lümmeln auf riesigen Polstern nebst dem Genuss von Wasserpfeifen weiter und endet bisweilen mit einem Bauchtanz irgendeiner Dame aus Europa, die das zu Hause in Genf, Göteborg oder Gütersloh im Bauchtanzkurs Gelernte mit Verve vorführt.

Für die Punktlandungen bei den gehobenen westlichen Geschmäckern sorgt der bayerische Resort-Chef Michael Luible, optisch eine Mischung aus Robinson Crusoe und Traumschiffsteward. Er schwört die Multikulti-Personaltruppe auf die notwendigen Servicestandards ein und besetzt die Restaurants mit Chefs aus den Topgastronomien der Welthauptstädte.

Daher kocht ein Italiener...

... im Hauptrestaurant (volle Fusion), ein Sushi-Meister de luxe im japanischen Restaurant (keine Fusion), ein Engländer ist Chefsommelier (niemals Fusel). Für das Konzept der Teatime muss Luible eine österreich-englische Fusion im Sinn gehabt haben. Demelwürdige Törtchen werden zur Stunde des Tees auf dem Rasen rund um den schmalen, rechteckigen Pool aus schwarzem Stein, der, einem Pier ähnlich, ins Meer hinausreicht, serviert. Just zu einer Tageszeit, zu der in anderen Resorts die neue Madonna zur Aquagymnastik aufgedreht wird.

Wer auf Torte pfeift, kann das Kinn auf den schwarzen Poolrand legen, den Blick übers Meer schweifen lassen und Tom-Olivers schnittige Bahnen suchen. Aber der hat um diese Zeit schon Surfdienstschluss.

Stattdessen erblickt man vielleicht das Boot, das die Unterwasserliebhaber vom Tagestrip zur Tauchstation zurückbringt. Und es fällt einem ein, dass der Tourismus die Malediven ursprünglich wegen der lebendigen Unterwasserwelt entdeckt hat und dass man den geplanten Tauchgang auf den nächsten Urlaub verschieben muss. Es war einfach über Wasser zu viel zu tun.

Anreise: www.qatarairways.com
Unterkunft: One & Only Reethi Rah
www.oneandonlyresorts.com
(B.S./Der Standard/rondo/25/11/2005)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Tonnenweise Sand wurde herbeigeschafft, um die Insel in die ideale Form zu bringen.

Share if you care.