Schutzmaßnahmen

9. März 2006, 14:09
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Im Winter ist unsere Haut Wind und Wetter, wir dagegen sind den Verlockungen der Kosmetikbranche ausgeliefert

äbe es den Winter nicht bereits, die Kosmetikindustrie müsste ihn erfinden. Draußen ist es klirrend kalt und drinnen hockt die Heizungsluft: Das muss die Haut erst einmal aushalten. Tut sie aber nicht, predigen die Schönheitsinstitute, und blöderweise haben sie damit nicht ganz unrecht. Genauso wie die Lebensgeister vertschüsst sich nämlich im Winter auch die Feuchtigkeit der Haut. Öle helfen der Körperhaut, fürs Gesicht aber hilft nur der Griff in den Tiegel. Weswegen die Kosmetikindustrie alljährlich im Herbst zum vereinten Angriff auf den armen Konsumenten bläst, der bei all den neuen Winter-Produkten erst einmal den Überblick bewahren muss. Also: Welche Creme ist meine heurige Winterprinzessin (falls nicht die vom vergangenen Jahr noch gute Dienste tut)? Hier sechs Pfade durch den Kosmetik-Dschungel.

Clinique

Seit der Firmengründung in den 60er-Jahren, also zu einer Zeit, in der Schönheit im direkten Verhältnis zur Dicke des Make-ups stand, arbeitet Clinique eng mit der Medizin zusammen. Seit Anfang an, also in Zeiten als man noch mit Nussöl zum Sonnenbaden ging, predigte man hier bereits die Bedeutung des UV-Schutz. Und das auch im Winter: Für die ohnehin gereizte Haut bedeuten die Strahlen zusätzlichen Stress, der durch die reflektierende Wirkung von Schnee noch verstärkt wird. Der alte 08/15-Trick, in der kalten Jahreszeit einfach Tages- und Nachtpflege gegeneinander auszutauschen, macht also wenig Sinn. Als ideale Tagescreme für den Winter preist Clinique deswegen den Superdefense - triple action moisturizer und wie immer bei dieser Marke ist auch dieser (aufgemotzte) Name ziemlich aussagekräftig.

Der Schutz funktioniert laut Herstellerangaben in drei Schritten: Schritt eins stärkt das natürliche Abwehrsystem der Haut unter anderem mit Lianen-Extrakt. Schritt zwei schützt vor freien Radikalen mit Vitaminen und Algenextrakten sowie dem in der Homöopathie zur Aktivierung des Immunsystems verwendeten pflanzlichen Wirkstoff Echinacin, dessen Wirksamkeit nach jüngsten Studien allerdings nicht unumstritten ist. Zu guter Letzt soll Superdefense das optimale Feuchtigkeitslevel der Haut bis zu zwölf Stunden halten.

La Roche-Posay

Wenn all das nichts nützt, weil die Haut schon rissig oder angegriffen ist, und die Mädels aus der Werbung noch immer viel besser aussehen wie man selbst, dann verspricht Cicaplast von La Roche-Posay Abhilfe, und zwar schnell: Die Wundpflegecreme wirkt antibakteriell, beruhigt und regt die Bildung neuer Zellen an. Wie ein Pflaster für die gereizte Haut, sagt der Hersteller, nur dass man es nicht sieht. Endlich einmal eine neue Metapher im abgedroschenen Kosmetikvokabular.

Yves Saint Laurent

Gefräßig sind im Winter nicht nur wir, sondern auch unsere Haut. (Glücklicherweise müssen wir hier aber nicht das Problem mit dem Bäuchlein sondern nur das Problem mit dem Fettgehalt der Haut vertiefen.) Hier gilt, dass die Cremes im Winter durchaus ein bisschen reichhaltiger sein dürfen: Die Nutri Système Crème nourrissante profonde von Yves Saint Laurent zum Beispiel ist eine solche Creme. Sie basiert auf Nutri-Kapseln, die die Haut mit Proteinen, Kohlenhydraten und Vitaminen versorgen. Denn: Ein Defizit an Nährstoffen führt zu einer Verlangsamung des Stoffwechsels und der Zellerneuerung.

Shiseido

Deswegen sind wir im Winter auch oft so müde. Die extremen Temperaturschwankungen stören allerdings auch die Mikrozirkulation, und so zeigen sich auch im Gesicht Ermüdungserscheinungen. Trockene, schuppige oder raue Haut ist ein Indiz dafür, dass die Schutzfunktion der Hornschicht rapide nachlässt. Dagegen tritt die Benefiance Intensive Nourishing and Recovery Cream von Shiseido mit Chlorella-Extrakt auf den Plan. Diese nahrhafte Süßwasserpflanze hat einen hohen Gehalt an Chlorophyll, Betakarotin und Vitaminen. Eine glatte und geschmeidige Haut verspricht Shiseido und Resistenz gegen Fältchenbildung. Zusätzlich: Wohlgefühl und Entspannung. Mit einem Wort: Eine wahre Glückscreme ist das. (Optisch haben uns die Produkte der japanischen Firma ohnehin bereits überzeugt).

Carita

Glück verspricht auch die Ideal Nutrition Crème au lait de riz von Carita. Zumindest wenn man Rötungen im Gesicht und Couperose nicht so toll findet. Ein Extrakt aus Indischer Kastanie mildert bei dieser Creme ihre Sichtbarkeit. Neben einer Vielzahl von Wirkstoffen sorgt der namengebende Reis in allen erdenklichen Varianten für Feuchtigkeit und Geschmeidigkeit: Reismilch ist reich an Lipiden und Proteinen, Reiskleieöl und Reiswachs spenden essenzielle Fettsäuren. Speziell für den Winter ist auch der SOS-Repair-Balsam baume de riz gedacht: Er - so Carita - beruhigt, repariert und schützt trockene Stellen wie aufgesprungene Lippen.

Clé de Peau Beauté

Einen Schutzmantel verspricht auch Clé de Peau Beauté mit der neuen Crème protectrice soyeuse. Hier erledigen Seidenproteine und ein Chai-Hu-Extrakt die Arbeit, der wegen seiner entzündungshemmenden Eigenschaft in der Traditionellen Chinesischen Medizin zur Anwendung kommt. Da hat dann selbst die empfindlichste Haut nichts mehr auszusetzen am grausligen Wetter. Die Kosmetikindustrie freut sich daran sowieso.
(Aki Beckmann/Der Standard/rondo/25/11/2005)

Sechs Varianten, wie wir und unser größtes Organ am besten durch die kalte Jahreszeit kommen
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