Propaganda für Dr. M

27. Dezember 2005, 16:25
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Es ist an sich positiv, wenn im TV versucht wird, den Horizont der Zuseher zu erweitern - Doch stimmen muss es auch ...

Malaysia sticht unter den aufstrebenden Ländern Asiens durch die rasche Modernisierung der Wirtschaft besonders hervor. Die von Muslimen, Buddhisten und Hindus geprägte Kultur macht es auch für Touristen interessant. Doch das, was im ORF-Religionsmagazin "Kreuz & Quer" am Dienstagabend in der Dokumentation "Asien-Express" über das Zusammenleben von Malayen, Chinesen und Indern gezeigt wurde, war Schönfärberei.

Es gab keinen Hinweis darauf, dass die Bevorzugung muslimischer Ma- laien in der Verfassung verankert ist und fast nur ihnen Uni-Stipendien und Beamtenposten offen stehen. Mahatir Mohamad, der (bis 2003) 22 Jahre regierende Premier, war sicher der Vater der Modernisierung, er herrschte aber wie ein Diktator. Nicht erwähnt wurde, dass dieser "Dr. M", wie er in Malaysia genannt wird, 1998 seinen Rivalen Anwar Ibrahim als angeblichen Sexualstraftäter sechs Jahre ins Gefängnis warf. Amnesty International berichtete immer wieder über Menschenrechtsverletzungen wie bis zu zwei Jahre dauernder Haft ohne Gerichtsverfahren. Laut BBC hat Malaysia "eines der härtesten Zensurgesetze der Welt", die Medien stehen unter staatlicher Kontrolle.

"Reporter ohne Grenzen" zeigte mehrfach die Verfolgung kritischer Journalisten auf. Zuletzt kam Malaysia durch die "Behandlung" illegaler Ausländer mit Gefängnis- und Prügelstrafen in die Nachrichten.

Es ist an sich positiv, wenn im TV versucht wird, den Horizont der Zuseher zu erweitern und für Toleranz zu werben. Doch stimmen muss es auch. (est/DER STANDARD; Printausgabe, 24.11.2005)

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    foto: orf
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