Accor-Gruppe will jetzt auch Ferienhotellerie aufmischen

8. Dezember 2005, 18:33
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Die französische Accor-Gruppe, größter Hotel­betreiber in Österreich, will weiter kräftig wachsen und sieht die besten Chancen dafür im Segment der Ferienhotellerie am Land

Wien - Der französische Hotelkonzern Accor, in Österreich mit Marken wie Sofitel, Novotel, Mercure, Etap und Ibis vertreten, hat sich eine neue Wachstumsstrategie zugelegt. Weil in den Städten das Potenzial so gut wie ausgereizt sei, werde man jetzt verstärkt in der Ferienhotellerie mitmischen, sagte der Chef von Accor-Österreich, Hans-Michael Leise, im STANDARD-Gespräch.

Den Einstieg in die klassische Ferienhotellerie plant Accor auf dem Franchiseweg. "Wir wollen bereits etablierten Häusern unser Know-how, Marke, Reservierungssystem und Vermarktungspotenzial zukommen lassen", sagte Leise. Bis zu hundert Häuser habe man in Österreich identifiziert, die von ihrer Größe und Lage für ein Engagement infrage kämen.

Mindestgröße

Auch reine Saison-Betriebe kann sich der Accor-Chef vorstellen. Ein Kriterium gibt es dennoch: "Unser kleinstes Hotel, das Etap in Salzburg, hat 60 Zimmer. Darunter wollen wir nicht gehen, denn eine Kooperation muss für beide Seiten Gewinn bringend sein".

Mit Mercure habe Accor "eine ideale Marke für einen Franchisebetrieb", zumal die Privathotels großteils über ausgeprägt individuelle Noten verfügten. Für ein jugendlicheres Publikum käme die Marke Ibis infrage, auch wenn es sich dabei um "ein stark standardisiertes Produkt" handle. Der Eintritt in die Ferienhotellerie könne rasch erfolgen: "Wenn ein Hotel zu uns passt, muss nicht lange herumprobiert werden."

Skifahrer im Visier

Von den 30 Hotels unter dem Accor-Dach befinden sich vier Franchise-Betriebe - vier Mercure-Hotels sowie das Sofitel in Seefeld/Tirol.

In Tirol wird kommende Woche auch das jüngste Hotel der Accor-Gruppe, das Ibis auf dem Innsbrucker Hauptbahnhof, offiziell eröffnet. Das auf Stützen gebaute Haus verfügt über 75 Zimmer und soll auch Skifahrer anziehen. Bis auf Kärnten und das Burgenland ist die Accor Gruppe damit in jedem Bundesland an zumindest einem Standort vertreten.

Expandieren will Accor, mit mehr als 4000 Hotels unter den Top vier der Welt und klare Nummer eins in Europa, auch mit eigenen Häusern. Wien verträgt nach Ansicht von Leise noch ein Sofitel, ein Etap und zwei Novotel, wobei bei letzterer Hotelform in Bälde eine Entscheidung anstehe. Von den 30 Hotels der Accor Gruppe steht jedes zweite in der Bundeshauptstadt: neben acht Mercure, drei Ibis und je einem Novotel, Suitehotel und Etap auch ein Sofitel, allerdings nicht, wie international üblich, mit fünf Sternen, sondern nur mit vier.

Sollte sich eine Gelegenheit bieten, wolle man auch in Österreich in der Luxusklasse mitmischen. Leise: "Hemmschuh sind noch die niedrigen Durchschnittspreise. Wien liegt auf dem Niveau von Bratislava oder Berlin." In Städten wie Budapest oder Prag seien viel bessere Preise erzielbar.

Die Auslastung der Häuser liege mit rund 74 Prozent etwas unter den 77 Prozent des "Spitzenjahres 2004", nächstes Jahr sollte man aber wieder den höheren Wert schaffen, sagte Leise. Der Umsatz dürfte heuer um 25 Prozent auf etwa 85 Mio. Euro klettern, was Leise nicht zuletzt auch auf die heuer erfolgte Neueröffnung dreier Häuser zurückführt. (Günther Strobl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24.11.2005)

  • Sucht Standorte am Land, um auf Franchiseweg Geld mit Urlaubs- gästen zu machen: der Chef von Accor Österreich, Hans-Michael Leise.
    foto: der standard/andy urban

    Sucht Standorte am Land, um auf Franchiseweg Geld mit Urlaubs- gästen zu machen: der Chef von Accor Österreich, Hans-Michael Leise.

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