"Gratulation zum Ost-Engagement"

8. Dezember 2005, 18:59
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Österreichs Banken heimsen mit ihrem guten Riecher für Osteuropa international Lob ein - Welt- und Entwicklungsbank "gratulieren" - und sind gespannt, ob die Erste Bank die rumänische BCR bekommt

Wien - In der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklungshilfe (EBRD) und in der Weltbank, genauer in der International Finance Corporation (IFC, das ist der Finanzarm der Weltbank-Gruppe) sind die österreichischen Banken ob ihres Engagements in Osteuropa gut angeschrieben.

"Die Institute haben sehr früh in diesen Raum expandiert und große Vorteile aus dem Markt geholt. Man sollte ihnen dafür gratulieren", sagt Kurt Geiger, der in London die EBRD-Abteilung Finanzinstitute leitet.

Die Frage, wie lange die Ost-Märkte den westlichen Banken noch als Cashcow dienen können, beantwortet der gebürtige Österreicher so: "Die Osteuropäer sind gut ausgebildet, arbeiten hart und haben große Sehnsucht nach einem guten Leben. Die Wachstumschancen sind daher exzellent und werden es noch über Jahre hinweg bleiben."

Sein Kollege vom IFC, Jean-Marie Masse, sieht es genauso: Der Osten werde noch lange "kräftiger wachsen als Westeuropa und je mehr Wohlstand erreicht wird, desto besser werden die Geschäfte in Osteuropa laufen", meint der IFC-Direktor für den Bereich Internationale Finanzmärkte zum STANDARD.

Haftelmacher

Wie die Haftelmacher beobachten die Institutionen, die mittels Krediten und Beteiligungen kommerzielle Entwicklungshilfe (nicht nur) in Osteuropa leisten, derzeit Rumänien. IFC und EBRD sind im November 2003 mit jeweils 12,5 Prozent in die rumänische Großsparkasse BCR eingestiegen.

Die wird nun von ihrem Mehrheitseigentümer, dem rumänischen Staat, verkauft - und nur noch zwei Bieter sind im Rennen. Wie berichtet ist einer davon die Erste Bank, der zweite die portugiesische Bank BCP. Dem Vernehmen nach soll Erste-Chef Andreas Treichl 3,2 Mrd. Euro für die Bank in Bukarest bieten.

Kommt es dazu, so wäre das die größte Investition, die Österreicher im Ausland je getätigt haben. Das kolportierte Preisfeuerwerk wollen Geiger und Masse (IFC und EBRD steigen im Rahmen der Privatisierung aus dem rumänischen Institut aus) nicht kommentieren. Nur so viel will Geiger dazu sagen: "Der gerüchteweise genannte Preis ist sehr hoch."

Die Lage der vormaligen "klassischen Staatsbank BCR" (Geiger) habe sich in den vergangenen drei Jahren jedenfalls "dramatisch verbessert", meinen EBRD- und IFC-Manager unisono. "Nein" sagen sie auf die Frage, ob die Erste in Rumänien, das von westlichen Bankern längst entdeckt ist, nicht zu spät komme.

"Riesiger Markt"

Geiger: "Rumänien ist ein riesiger Markt mit 25 Millionen Einwohnern, es geht um eine riesige Bank. Jetzt ist die letzte Chance, dort groß einzusteigen." Der Deal soll bis Weihnachten unter Dach und Fach sein - und dann wird die Arbeit für den Käufer erst so richtig beginnen. Denn, so Geiger: "Wir haben in der BCR zwar viel vorangebracht, aber das ist nur der Boden, auf dem die künftigen Eigentümer dann aufbauen müssen." (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24.11.2005)

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