Streit um Sundts Sessel geht weiter

8. Dezember 2005, 18:51
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Die ÖIAG ist mit ihrem Versuch den TA-Chef abzulösen vorerst gescheitert - Nächster Stichtag: 13. Dezember

Wien - Abgeblitzt, ehe die Causa überhaupt zur Abstimmung vorgelegt wurde, ist die Verstaatlichtenholding ÖIAG im Aufsichtsrat der Telekom Austria (TA) vor einer Woche. Wie aus Kapitalvertreterkreisen erst jetzt durchsickerte, wurde die Causa prima, also die vorzeitige Ablöse von Generaldirektor Heinz Sundt im Frühjahr 2006, einmal mehr vertagt. Da sich bei den Kapitalvertretern keine qualifizierte Mehrheit für eine Abberufung Ende April nächsten Jahres abzeichnete, wurde die Entscheidung verschoben.

Beim nächsten Mal soll deshalb nichts mehr dem Zufall überlassen werden: Um in der nächsten Aufsichtsratssitzung am 13. Dezember endlich Nägel ohne Köpfe machen zu können, lädt der größte TA-Einzelaktionär (30,2 Prozent) am Vorabend zu einer Vorbesprechung in die Räumlichkeiten der ÖIAG in die Wiener Dresdnerstraße. "Da sollen wir alle eingeschworen und auf Linie gebracht werden", mutmaßt ein Kapitalvertreter im STANDARD-Gespräch.

Außerdem soll das Aufsichtsratspräsidium beauftragt werden, einen Personalberater auszuwählen, der nicht nur einen Nachfolger für Heinz Sundt finden muss, sondern auch gleich einen für Finanzchef Stefano Colombo. Der soll seinen Sessel, wie vom STANDARD bereits berichtet, zeitgleich mit dem Generaldirektor räumen.

Kein Grund für vorzeitige Ablöse

Auf die Stimmen der Personalvertreter werden TA-Präsident und ÖIAG-Vorstandssprecher Peter Michaelis und sein ÖIAG-Vorstandskollege Rainer Wieltsch dabei eher nicht zählen können. Denn die sehen für eine vorzeitige Ablöse unverändert keinen Grund - wie vor einem Jahr, als ein ähnliches Theaterstück über die Bühne ging und mit einem Kompromiss endete: der Verlängerung der Verträge Sundts und Colombos um zwei Jahre.

Stimmen die ÖIAG-Räte am 13. Dezember wider Erwarten dennoch für die dem Vernehmen nach von Finanzminister Karl-Heinz Grasser sehr erwünschte ehebaldige Generaldirektoren- und Finanzvorstandssuche, sind die Tage des Gründungschefs der Mobilkom, Heinz Sundt, gezählt.

Dann allerdings müssen die Räte auch die Kosten dieser Rochade - kolportiert werden gut zwei Millionen Euro - rechtfertigen. Denn Sundt und Colombo, die sich keine Verfehlung geleistet haben, können auf Einhaltung ihrer Verträge pochen, was bedeutet, dass diese ausbezahlt werden müssen.

Auf der Agenda am 13. Dezember stehen des weiteren das Budget 2006 und die neue Holding-Struktur. Bei letzterer ist, wie bei der Causa Vorstand, alles offen. "Der Vorstand ist uneins wie eh und je. Was soll da der Aufsichtsrat machen?" ärgert sich ein TA-Rat über das bereits ein Jahr währende Tauziehen um die künftige Struktur.

Der kleinste gemeinsame Nenner sei eine Art "virtuelle Holding", die Synergien zwischen Festnetz und Mobilfunk heben soll, aber größtmögliche Eigenständigkeit der beiden gewährleistet. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24.11.2005)

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