Interview: Beppo Mauhart

28. November 2005, 20:41
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Der Ex-ÖFB-Präsident wünscht sich, dass Frank Stronach der Wiener Austria in irgendeiner Form erhalten bleibt - Sich selbst wünscht er der Austria aber nicht

Standard: Wie beurteilen Sie als einer der ersten Kritiker im Nachhinein das Austria-Engagement von Frank Stronach?
Beppo Mauhart: Ich hoffe, dass es nicht im Nachhinein ist. Bei aller kritischer Einstellung zu Stronach - so einen Investor sollte man an Bord halten. Es war ja bei Weitem nicht alles negativ, was er gemacht hat.

STANDARD: Sie glauben, dass das noch möglich ist?
Mauhart: In meinem Alter darf man träumen. Vielleicht kann man sich doch noch mit Stronach an einen Tisch setzen, vielleicht findet sich ein Weg zur Kontinuität, auch wenn ich weiß, dass das wahnsinnig schwierig ist. Dazu müsste Stronach in der Lage sein zu objektivieren. Leider ist er eingesponnen in seine goldene Regel, wonach der, der das Gold gibt, die Regeln macht.

STANDARD: Könnten Sie bei Gesprächen eine Rolle spielen?
Mauhart: Ich wäre dafür nicht der Richtige. Wir grüßen einander freundlich, aber wenn er mich sieht, kriegt er einen roten Kopf, weil er glaubt, dass ich sein Gegner bin. Dabei habe ich ihm immer gut geraten. Leider verträgt er nur die Menschen, die sagen, wie wunderbar er nicht alles macht, die ihm mit der einen Hand auf die Schulter klopfen und die andere Hand aufhalten.

STANDARD: Was gibt Ihren Träumen, dass Stronach dem Fußball erhalten bleibt, Nahrung?
Mauhart: Wenn er Widerstand spürt, denkt er schon nach. Es scheint Anknüpfungspunkte zu geben, etwa die Akademie, die eine großartige Sache ist. Da ist ein Hoffnungsfunke, dass sich Stronach damit ein Denkmal setzen will. Für die Akademie braucht er einen Trägerverein. Warum soll das nicht weiter die Austria sein? Er könnte ja auch weiter die Amateure unterstützen.

STANDARD: Es gibt Gerüchte, wonach Sie, sollte die Austria wirklich ohne Stronach neu starten, dabei sein könnten.
Mauhart: Es gibt keine Absichten von mir, bei der Austria etwas zu werden. Was es gegeben hat, war ein Gespräch mit der Gruppe um Herrn Denk.

STANDARD: Was genau wurde da besprochen?
Mauhart: Es gab die Idee, dass ich die Präsidentschaft bei der Austria übernehmen könnte.

STANDARD: Und?
Mauhart: Nein, weil ich mehr Provokation als Verbindendes mitbringen würde. Und ich würde nichts tun, um Stronach zu verscheuchen.

STANDARD: Was sagen Sie als ehemaliger Präsident des ÖFB zum aktuellen Zustand des österreichischen Fußballs?
Mauhart: Dazu möchte ich eigentlich nichts sagen. (DER STANDARD, Printausgabe, Donnerstag, 24. November 2005, Sigi Lützow)

ZUR PERSON:
Beppo Mauhart (72) war von 1988 bis 1995 Vorstandsvorsitzender der Austria Tabakwerke AG. Von 30. Juni 1984 bis 7. April 2002 führte der Ennser den österreichischen Fußballbund als fünfter Präsident nach 1945.

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