Bücher von höchster Seltenheit

24. November 2005, 10:18
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Antiquarische Bücher bei Pierre Bergé & Associés im Hôtel Drouot versteigert

Paris - An einem Pariser Versteigerungsnachmittag wurden im Hôtel Drouot vom Auktionshaus Pierre Bergé & Associés antiquarische Bücher und Manuskripte für 6,6 Millionen Euro ersteigert.

Das ist mehr als der Jahresumsatz der besten auf Antiquariat spezialisierten Auktionshäuser Deutschlands. Das Haus des "Machers" von Yves Saint-Laurent, Pierre Bergé & Associés, versteigerte am 28. Oktober den zweiten Teil des Lagers des Antiquars Pierre Berés. Der 92-jährige Pierre Berés schloss erst heuer sein seit 1939 ununterbrochen florierendes Antiquariat, dessen hochkarätiges Lager er nun sukzessive versteigern lässt.

Im Juli kam die Bibliografie für 765.614 Euro unter den Hammer. Ende Oktober waren es 198 Lose: Manuskripte, Inkunabeln, wissenschaftliche Bücher und botanische Werke von höchster Seltenheit, die vom internationalen Handel und von finanzkräftigen Sammlern kräftig mit Höchstpreisen bedacht wurden.

Bei nur acht Rückgängen ist das Gesamtergebnis von 6,640.309 Euro für die 190 zugeschlagenen Lose umso beachtlicher, als die deutschen Antiquariatsauktionatoren Reiss & Sohn (Königstein), Hartung & Hartung sowie F. Zisska & R. Kistner (München) für 5000 bis 10.000 Lose pro Jahr (in je zwei mehrtägigen Sessionen im Frühling und im Herbst) bestenfalls einen gleich hohen Betrag verbuchen.

Im Schnitt liegen die Jahresumsätze jedoch unter diesem flotten Pariser Nachmittagsergebnis. Erklärbar ist dies selbstverständlich mit der Provenienz sowie der Finanzkraft einiger internationaler Händler, die eventuell gemeinsam agieren, angeführt von den Parisern Bernard und Stéphane Clavreuil (Vater und Sohn, die die Librairie Thomas-Scheler zur führenden Firma ausbauten).

Sourget (Chartres) errang einige Lose, und Pregliasco (Turin) war bei den italienischen Titeln erfolgreich. Das Spitzenlos, mit dem Nikolaus Kopernikus die Vision des Planetensystems revolutionierte, De revolutionibus orbium coelestium, libri VI, 1543 in Nürnberg gedruckt, ging nach einem langen Bietergefecht für 818.454 Euro an einen Telefonkäufer.

Clavreuil übernahm die Schilderung der Entdeckung Amerikas von Christoph Kolumbus: De insulis nuper in mari Indico repertis, die 1494 in Basel erschien und ihn 605.897 Euro kostet.

Via Handy ersteigerte Clavreuil für 465.938 Euro die vier Foliobände von Albert Seba, Locupletissimi rerum naturalium thesauri, die von 1734- 1765 bei Janssonius in Amsterdam mit 449 stupenden Flora- und Fauna-Kupferstichen erschienen. Ein Telefonbieter bewilligte 306.737 Euro für die altkolorierte deutsche Erstausgabe von Hartmann Schedels Das Buch der Croniken. Das 1493 bei Koberger in Nürnberg mit den wunderbaren Holzschnitten gedruckte Exemplar stammte aus der Liechtensteinischen Fürstenbibliothek. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24.11.2005)

Von Olga-Grimm Weissert
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