Mehr Wald als Müller

24. November 2005, 11:24
posten

Saisonales Highlight das Dorotheums: Ein Hauptwerk von Ferdinand Georg Waldmüller gelangt zur Versteigerung

2005 kamen 18 Arbeiten Ferdinand Georg Waldmüllers (1793-1865) zur Auktion. Kommende Woche wird im Dorotheum eines seiner Hauptwerke als saisonales Highlight den Besitzer wechseln.


Die Auktionspreisdatenbank Artprice listet 141 Arbeiten Ferdinand Georg Waldmüllers, darunter vier Miniaturen, zehn Zeichnungen und Aquarelle sowie 127 Gemälde. Aber längst nicht jedes der seit 1989 in Auktionssälen vorgeführten Werke wechselte auch den Besitzer, so etwa die über eine Schaustellungstour auf deutschsprachigem Festland von Christie's jüngst vergeblich beworbenen.

Das von den englischen Experten als Hauptwerke titulierte und vergangene Woche in der Sparte "19th Century European Art" angebotene Quartett wurde bis auf das Aquarell ignoriert - nur die Fleißmedaille von 1828 erzielte umgerechnet etwas mehr als 155.000 Euro.

Die angesetzten Taxen von 330.000 bis 420.000 Euro für die unverkauften Ölbilder dürften institutionelle und museale Budgets gesprengt haben, vermutet Depart- ment-Direktorin Alexandra McMorrows: trotz "outstanding quality". Oder eher wegen auffallender künstlerischer Mängel, wie die nicht vorhandene Nachfrage zeigt: Perspektivischen Schwächen im Bildaufbau, verzerrte Details, insgesamt eben mehr Wald als Müller. Schon insofern ist das kommende Woche im Rahmen der vierten Auktionswoche des Dorotheums in der Sparte "Gemälde des 19. Jahrhunderts" zur Auktion gelangende Werk nicht vergleichbar. Das 1853 ausgeführte Die unterbrochene Wallfahrt / Die Hilfeleistung erfüllt sämtliche Hauptwerk-Kriterien. "Ein stilistisch sowohl im Aufbau als auch in der Lichtgestaltung zukunftsweisendes Bild", lautet das Experten-Fazit von Christl Wolf. Es dokumentiert einen Höhepunkt im Waldmüller'schen Schaffen, lässt die biedermeierliche und bisweilen statische Genresüße hinter sich, überzeugt mit bravouröser Lichtführung und einem für die Zeit innovativen Fotorealismus.

Kurz, jeder einzelne der auf der 45,5 mal 57,5 cm großen Holzfläche geführte Pinselstrich rechtfertigt den erst Anfang dieser Woche verlautbarten Schätzwert von einer Million Euro. Wer soll das bezahlen, wer hat das bestellt, wer hat so viel Pinke-Pinke, wer hat so viel Geld? Die Antworten auf den Ohrwurm der 40er-Jahre liegen in mehrfacher Hinsicht auf der Hand. Denn die museale Nachfrage wird von der Höhe des Budgets bestimmt.

Eine Entscheidung des Bundesdenkmalamtes steht noch aus, kann aber eine Rolle spielen. Eine Themenversion befindet sich laut Christl Wolf in der Sammlung Leopold, was wiederum für die Erteilung der Ausfuhrgenehmigung spräche. "Und die ist eine der beiden Grundvoraussetzungen", so Johann Kräftner, Direktor des Liechtenstein Museums Wien und der Fürstlichen Sammlungen, deren Sitz in Vaduz liegt. Aktuell hält man 14 Arbeiten Waldmüllers im Bestand. Den Grundstock der qualitätsvollen Kollektion legten Ankäufe im 19. Jahrhundert. Zuletzt erwarb man u.a. 2002 "im Kinsky" das Porträt Kaiser Franz Josefs I. als Grenadier (150.000 Euro), 2004 aus Privatbesitz die Gemälde Mütterliche Ermahnung und Wiedererstehen zu neuem Leben sowie im Frühjahr Die Unterrichtsstunde aus dem Londoner Kunsthandel.

Die unterbrochene Wallfahrt würde das Portfolio perfekt ergänzen - zudem war das Bild bis in die 60er-Jahre ohnedies im Fürstentum Liechtenstein beheimatet, allerdings nicht in der Sammlung des Fürsten. < (der standard, print-ausgabe, 24.11.2005) (der="" standard,="" print-ausgabe,="">

Von
Olga Kronsteiner
  • "Die unterbrochene Wallfahrt": In den Sechziger- 
jahren erwarb der aktuelle Einbringer das Waldmüller-Werk in Liechtenstein.
    foto: dorotheum

    "Die unterbrochene Wallfahrt": In den Sechziger- jahren erwarb der aktuelle Einbringer das Waldmüller-Werk in Liechtenstein.

Share if you care.