Haushaltsführung weit entfernt von "halbe-halbe"

23. November 2005, 17:58
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Wiener Frauenstadträtin fordert "Papamonat" - Acht von zehn Wienerinnen fühlen sich hauptverantwortlich für den Haushalt

Wien – Acht von zehn Wienerinnen fühlen sich hauptverantwortlich für die Führung und Organisation des Haushaltes – bei berufstätigen Frauen sind es sogar 88 Prozent. Das ist eines der Ergebnisse des Frauenbarometers 2005, eine jährliche Befragung über die Situation der Wiener Frauen, die am Mittwoch von Wiens Frauenstadträtin Sonja Wehsely (SP) und Imma Palme vom Meinungsforschungsinstitut Ifes präsentiert wurde.

Männer in der Kinderbetreuung stärken

Der Anteil der Haushaltsmanagerinnen sei aber im Vergleich zum Vorjahr um einige Prozentpunkte gesunken, betonte Wehsely und setzt auf die "neue Vätergeneration", die schon jetzt mehr Verantwortung übernehme. Um das Verantwortungsbewusstsein der Männer auch in der Kinderbetreuung zu stärken, plädierte Wehsely für die Einführung eines "Papamonats", das Vätern ermögliche, bei Bezug ihres Gehaltes die ersten vier Wochen nach der Geburt zu Hause zu verbringen.

Mehrfachbelastung

Die Mehrfachbelastung durch Job und Privatleben wirkt sich bei jeder zweiten Wienerin in Form von Stress und Leistungsdruck aus. Dennoch haben laut Umfrage 83 Prozent Spaß an der Arbeit und sehen dadurch ihre Unabhängigkeit sichergestellt.

Problematisch ist nach wie vor der Wiedereinstieg nach der Babypause. Nur ein Viertel der Frauen mit Kindern unter zwei Jahren ist erwerbstätig, 47 Prozent bleiben länger als zwei Jahre zu Hause. "Das ist eine sehr lange Zeit im Vergleich zu skandinavischen Ländern oder auch Frankreich", beklagte Wehsely und kündigte eine Aufstockung des Budgets für Wiedereinstiegsmaßnahmen an.

Flexibilisierung des Kinderbetreuungsgeldes

Weiters sprach sich die Frauenstadträtin für eine Flexibilisierung des Kinderbetreuungsgeldes und den Umbau der Kindergärten in Bildungseinrichtungen aus. "Man darf in der Frauenpolitik keinen Millimeter nachgeben", bekräftigte Wehsely und freute sich über 61 Prozent Zustimmung, dass Wien eine frauenfreundliche Stadt sei. Immerhin 5 Prozent bezeichneten die Bundeshauptstadt explizit als frauenfeindlich.

Am 25. November wird weltweit auf Gewalt gegen Frauen aufmerksam gemacht. Im Wiener Frauenzentrum ega wird unter anderem über Frauenhandel informiert. (kri, DER STANDARD Printausgabe 24.11.2005)

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    Die "neue Vätergeneration" soll gestärkt werden

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