Irving-Verteidiger: Österreichische Politiker vertreten ähnliche Ansichten

13. Dezember 2005, 14:33
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Elmar Kresbach kündigt im STANDARD-Gespräch an, keine inhaltlichen Beweisanträge stellen zu wollen

Wien – Er werde den prominenten Holocaustleugner David Irving "sicher nicht politisch verteidigen", kündigt Elmar Kresbach im Gespräch mit dem STANDARD an. "Ich stehe persönlich dafür ein, dass es im Verfahren keine inhaltlichen Beweisanträge, etwa in Sachen Gaskammern, geben wird", sagt der Rechtsanwalt. Mit der Verteidigung des Rechtsaußen-Historikers ist er laut eigenen Angaben "seit genau fünf Tagen" betraut.

Die Existenz von Gaskammern, in denen während der nationalsozialistischen Herrschaft Millionen Menschen ermordet wurden, hatte Irving in Schrift und Rede wiederholt bestritten. So auch bei zwei Vorträgen in Leoben und Wien im November 1989. Deren Inhalt führte wie berichtet sechzehn Jahre später, am Dienstag, zur Anklageerhebung wegen Verstoßes gegen das Verbotsgesetz gegen den 67-Jährigen. Der Prozess soll zu Beginn 2006 stattfinden.

Bis dahin – so Kresbach – bestehe kein Grund, seinen Mandanten in Untersuchungshaft zu behalten. "Irving sei "charmant gesagt, reifen Alters", der "Verdachtsfall" sei sechzehn Jahre her, und "als britischer, also EU- Staatsbürger, bleibt er für die Behörden greifbar", behauptet der Verteidiger. Außerdem: "Wir alle kennen österreichische Politiker, die in der Öffentlichkeit ähnliche Ansichten wie Irving vertreten haben. Diese Leute sind nicht in Haft, sind weiter frei."

Aus diesen Gründen will Kresbach beim Haftprüfungstermin am Freitag die Freilassung Irvings gegen Kaution beantragen. Die Staatsanwaltschaft wird auf einer Verlängerung der U-Haft bestehen. Andernfalls könne sich der Brite ins Ausland absetzen.

Selbst zu Wort gemeldet hat sich Irving in der Zeitschrift News. "Ich hätte nie geglaubt, dass ich in Österreich verhaftet werde", wird er dort zitiert. Nach 1989 sei er z. B. 1993 via München nach Salzburg gereist. An der Grenze hätten ihn die Zollbeamten erkannt und mit den Worten "Schöner Aufenthalt, Herr Irving" weiterfahren lassen. (Irene Brickner, DER STANDARD, Print, 24.11.2005)

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    Elmar Kresbach: "Ich stehe persönlich dafür ein, dass es im Verfahren keine inhaltlichen Beweisanträge, etwa in Sachen Gaskammern, geben wird."

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