Heftiger Streit im ÖBB-Vorstand um die Finanzen

8. Dezember 2005, 18:05
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Holding-Chef Huber pfeift Personenverkehrs-Vorstand zurück und fordert andere Vorstände zu höheren Einsparungen auf

Wien - Zwischen den Vorständen der neuen ÖBB-Gesellschaften und der ÖBB-Holding-Führung ist ein Streit um Einsparungen und die Finanzierung entbrannt. Holding-Chef Martin Huber hat am Mittwoch in einem Interview mit der APA Rufe aus dem ÖBB-Personenverkehr nach mehr öffentlichen Gelder relativiert.

Außerdem verlangt er von sämtlichen Gesellschaften höhere Einsparungen. Erst wenn die Hausaufgaben erfüllt seien, könne man mit Bund und Ländern über höhere Vergütungen verhandeln, so Huber.

"Wirtschaftlich dramatische Situation"

ÖBB-Nahverkehrschefin Wilhelmine Goldmann hatte am Montagabend vor Journalisten von einer "wirtschaftlich dramatischen Situation" im Personenverkehr gesprochen und zur Finanzierung neuer Züge höhere Vergütungen von der Öffentlichen Hand verlangt. Holding-Chef Huber zeigte sich am Mittwoch darüber - Zitat - "more than not amused".

Zwar sieht auch der Holding-Manager langfristig einen zusätzlichen Finanzierungsbedarf für neue Investitionen - auf einen kolportierten Fehlbetrag von 200 Mio. Euro komme man "irgendwann einmal, wenn Bund und Länder trotz Investitionen auf Dauer die Finanzierungsbeiträge nicht erhöhen würden".

Aber Huber meint: Bevor man mit Bund und Ländern verhandle, werde der Personenverkehr erst "einmal beginnen, mit dem neuen Material zu fahren, die Effizienz erhöhen, Restrukturierungen einleiten und transparente Zahlen vorlegen".

Nach Einschätzung Hubers wird dies erst Mitte nächsten Jahres der Fall sein. Dann sei er "optimistisch, dass Bund und Länder objektiven Argumenten zugänglich sein werden".

"Keine Substanzgefährdung"

Eine Substanzgefährdung sieht Huber bis dahin nicht: "Wir müssen die Kirche im Dorf lassen." Zwar würden die ÖBB in Summe 700 bis 800 Mio. Euro in neue Züge investieren, aber nicht auf einen Sitz. Pro Jahr würden die Investitionen rund 150 Mio. Euro betragen.

Das Eigenkapital der ÖBB Personenverkehr AG liege demgegenüber aber bei 1,3 Mrd. Euro. Von einer Konkursgefahr im Personenverkehr könne daher keine Rede sein - "und wenn jemand davon redet, dann mache ich das als Eigentümer selbst", so der ÖBB-Holding-Chef harsch.

Heftig auch die Reaktion Hubers auf einen Restrukturierungsplan aus der ÖBB Infrastruktur Bau AG. Der Bau AG-Vorstand hatte dem Holding-Management vor zehn Tagen einen Plan vorgelegt, wonach das Unternehmen bis 2010 nur 60 der derzeit 2.700 Mitarbeiter abbauen könne - Wasser auf die Mühlen der Gewerkschaft, die seit langem kein Potenzial zum Abbau von tausenden Eisenbahnern sieht.

Einsparungspotenzial

Huber betonte nun: "Ich habe dem Vorstand klar gemacht, dass mir dieser Restrukturierungsplan absolut nicht genügt." In der Bau AG gebe es noch immer 1.300 Spengler, Elektriker, Fliesenleger oder andere aus dem Bereich Facility Management. Hier bestehe noch ein größeres Einsparungspotenzial, glaubt der Holding-Chef.

Auch bei den anderen Vorständen, betonte er, habe er vergangene Woche seine "Absichten noch einmal hinlänglich erläutert". Er gehe nach wie vor davon aus, dass die ÖBB in sechs bis sieben Jahren "mit 7.000 bis 10.000 Mitarbeitern weniger bei gleichen Aufgaben gut funktionieren kann", so Huber. (APA)

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