Donauvertiefung: Uneinigkeit um Wassertiefe

30. November 2005, 09:27
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Ökologen kritisierten geplante 2,80 Meter und Folgen der schweren Eingriffe für die Au-Landschaft

Wien - Die Wassertiefe der Donau südlich von Wien bis Hainburg sorgt weiterhin für hitzige Diskussionen zwischen Ausbaubefürwortern und Naturschützern. Heftige Kritik übten die Ökologen nun an einem geplanten Naturversuch, in dem der Strom auf einer Länge Kilometern Länge auf 2,80 Meter vertieft werden soll. Dies könne, so wird befürchtet, der Startschuss für den Ausbau der gesamten Donau sein.

"Mehr als 2,50 Meter sind in keiner Fließstrecke oberhalb Wiens und unterhalb der Ostgrenze ganzjährig gegeben", betonte Bernd Lötsch, Generaldirektor des Naturhistorischen Museums Wien. Eine Umsetzung dieses Projekts auf 40 Kilometern Länge sei ein "Schildbürgerstreich".

Lötsch bezeichnete die Ausbaupläne als "überzogen" und will in einer öffentlichen Diskussion mit dem zuständigen Staatssekretär im Infrastrukturministerium, Helmut Kukacka, "die Klingen kreuzen": "Selbst die Nachfolger der DDSG haben kürzlich signalisiert, dass sie mit 2,50 Meter hoch zufrieden wären und ihre Flotte zügig auf geringere Tauchtiefen umzurüsten gedenken."

Seltene Stör-Arten wiederentdeckt

Weitreichende Konsequenzen im Falle einer Vertiefung auf 2,80 Meter befürchtet auch Ulrich Eichelmann, Wasserexperte vom WWF. Diese würde "enormen Ausbaudruck" auf andere Donauabschnitte erzeugen. Im Grenzgebiet zwischen Rumänien und Bulgarien werden derzeit auf einer Länge von 500 Kilometern Vertiefungen für Schifffahrtsprojekte vorbereitet. Dabei wurden dort kürzlich seltene Stör-Arten nach Jahrzehnten wieder entdeckt. Baggerungen und Uferbefestigungen könnten die Laichplätze stark gefährden.

Schwere Eingriffe in die Au-Landschaft

Die Gespräche zwischen Infrastrukturministerium und Naturschützern sind ins Stocken geraten, die Fronten scheinen verhärtet. 2,50 Meter Wassertiefe sei "das obere Ende des Verhandlungsspielraumes", bekräftigte Reinhold Christian, Präsident des Forums Österreichischer Wissenschafter für Umweltschutz. Zusätzlich 30 Zentimeter Flussbett abzutragen ist laut Lötsch eine "Fleißaufgabe", die bis zu drei Mal so viel Materialbewegung verursachen würde. Schwere Eingriffe in die Au-Landschaft sowie die Zerstörung wertvoller Uferbiotope sei die Folge.

"Wenn die Schifffahrt mit einer Tiefe von 2,50 Metern auskommt und es auch für die Ökologie die bessere Variante ist, stellt sich die Frage, weshalb ein tieferer Ausbau überhaupt realisiert werden soll", brachte es Eichelmann auf den Punkt. "Von der vielfach versprochenen Win-Win-Situation für Ökologie und Schifffahrt ist hier nicht viel zu sehen." (APA)

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