David Irving: Vom ehemaligen Stahlarbeiter zum Holocaust-Leugner

8. März 2006, 09:02
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Am Anfang wurde der Autodidakt als ernst zu nehmender Historiker angesehen

Wien - David John Caldwell Irving gilt als einer der bekanntesten Vertreter der internationalen rechtsextremen Szene. Zuletzt war es eher ruhig um den 1938 in Essex als Sohn eines Offiziers der Royal Navy geborenen Engländer geworden. Nachdem seine Vorträge immer weniger besucht wurden, war der Holocaust-Leugner dazu übergegangen, seine Thesen vor allem über seine Homepage im Internet zu verbreiten.

Irving hatte ursprünglich Physik studiert, das Imperial College in London aber frühzeitig verlassen. Bei der Royal Air Force wurde der Studienabbrecher aus gesundheitlichen Gründen nicht aufgenommen, worauf er als Stahlarbeiter ins deutsche Ruhrgebiet ging. Seither spricht er fast perfekt Deutsch. Geschichtskenntnisse erwarb er sich als Autodidakt - ein im angelsächsischen Raum nicht unüblicher Weg.

Nach seiner Rückkehr nach Großbritannien erschien 1963 sein erstes Buch über die alliierte Flächenbombardierung Deutschlands und die Zerstörung Dresdens 1945. Er galt als durchaus ernst zu nehmender Historiker. "Er wurde am Anfang als leuchtender neuer Stern am Firmament der Geschichtswissenschaft begrüßt - ein außerordentlich kompetenter Forscher, ein brillanter Linguist und ein erstklassiger Schreiber", so skizziert die BBC auf ihrer Website die Anfänge Irvings.

Kontroversen

Heftige Kontroversen lösten dann Mitte der siebziger Jahre seine Hitler-Biografien "Hitlers Weg zum Krieg" und "Hitlers Krieg" aus, mit denen er europaweit Bekanntheit erlangte. Irving behauptete darin unter anderem, Adolf Hitler habe von der Vernichtung der Juden nichts gewusst. Unter Berufung auf das in rechtsextremen Kreisen immer wieder zitierte "Gutachten" des US-Amerikaners Fred Leuchter erklärte er, in den Vernichtungslagern Auschwitz-Birkenau und Madjanek habe es keine Gaskammern gegeben.

Diese Thesen vertrat er in den achtziger Jahren bei zahllosen Auftritten und Vorträgen in Deutschland und Österreich und erwarb sich damit zweifelhafte Anerkennung in der Neonazi-Bewegung. Die seriöse Geschichtsschreibung hatte ihm schon längst den Rücken gekehrt. Die US-amerikanische Historikerin Deborah Lipstedt bezeichnete ihn in einem Buch als "Holocaust-Leugner".

Dagegen brachte Irving eine Klage ein. Der Prozess, der 2000 in London stattfand und bei dem er den Richter mit "Mein Führer" ansprach und Auschwitz-Birkenau ein "Disneyland für Touristen" nannte, endete für ihn mit einem Fiasko: Irving verlor das Verfahren, konnte die Gerichtskosten nicht bezahlen, musste Privatkonkurs anmelden und sein Haus verkaufen. Zuletzt soll er an einer Biografie über Heinrich Himmler geschrieben haben. (APA)

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