Stichwort: EU-Zuckermarktordnung

8. Dezember 2005, 18:33
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Hälfte des EU-Zuckers kommt aus Deutschland, Frankreich und Polen - Mit Infografik

Brüssel - Die EU produziert rund 20 Millionen Tonnen Zucker pro Jahr, etwa 13 Prozent des Weltmarktes. Rund 17 Millionen davon sind preisgarantierter Quoten-Zucker, die restlichen rund 3 Millionen sind Überschüsse, die zum Weltmarktpreis exportiert werden. Mit der geplanten Zuckermarktreform soll die Produktion auf etwa 12 Millionen Tonnen zurückgefahren werden.

21 von 25 EU-Ländern - alle außer Luxemburg, Estland, Zypern und Malta - produzieren Zucker, wobei Frankreich, Deutschland und Frankreich mit insgesamt rund 8 Millionen Tonnen die größten Erzeugerländer von Zucker sind, gefolgt von Polen mit 2 Millionen Tonnen.

In Österreich - mit rund 460.000 Tonnen im unteren EU-Mittelfeld - bauen etwa 9.500 Bauern Zuckerrüben an. Österreichs einziger Zuckerverarbeiter, die Agrana, betreibt noch drei Zuckerfabriken in Hohenau, Leopoldsdorf und Tulln.

325.000 Rübenbauern

EU-weit gibt es mehr als 325.000 Rübenbauern und rund 220 Zuckerverarbeiter. Die Produktionskosten für Zucker belaufen sich in der EU nach Angaben von Diplomaten auf rund 370 Euro pro Tonne, während sie in Brasilien - wo es weder Umwelt- noch Sozialstandards gibt - bei rund 160 Euro liegen.

Die bisherige Zuckermarktordnung der EU ist ein kompliziertes System aus Produktionsquoten pro Mitgliedsland (A-Quote für den Inlandsbedarf, B-Quote für den Export), garantierten Binnenpreisen, Exportsubventionen für Überschüsse, hohen Zöllen und Präferenzbedingungen für Einfuhren aus bestimmten Entwicklungsländern.

Seit 1975 dürfen die AKP-Staaten 1,3 Millionen Tonnen sowie Indien weitere 10.000 Tonnen pro Jahr zu den EU-Konditionen in die EU liefern. Mit dem 2001 beschlossenen

Everything but Arms

Alles außer Waffen"-Abkommen wird der Markt nun schrittweise auch für die am wenigsten entwickelten Länder geöffnet. Laut Schätzungen der EU-Kommission sollen ab 2009 rund 2,2 Millionen Tonnen Rohzucker aus diesen Ländern in die EU kommen.

Bisher garantierte die EU einen Mindestpreis für Zuckerrüben von 43,6 Euro je Tonne und für weißen Zucker von 631,9 Euro je Tonne - etwa das Dreifache des Weltmarktpreises. Bezahlt wird das System von den Konsumenten.

Wegen der Exporte von Überschüssen in der Produktion - so genanntem C-Zucker - haben große Zuckerproduzenten wie Brasilien, Australien und Thailand die EU bei der WTO geklagt und im Frühjahr dieses Jahres auch Recht bekommen. Daher muss die EU das System bis spätestens 22. Mai 2006 ändern. (APA)

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