Iran zu weiteren Atom-Gesprächen mit EU bereit

24. November 2005, 17:38
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Breite Zugeständnisse an Teheran - Iranische Opposition warnt vor Täuschung der IAEO-Inspektoren

Teheran - Der Iran ist auf das Angebot Deutschlands, Frankreichs und Großbritanniens zu weiteren Gesprächen über sein Atomprogramm eingegangen. "Die Atmosphäre für solche Gespräche ist da", sagte der iranische Außenminister Manouchehr Mottaki am Mittwoch vor Journalisten in Teheran. Das Treffen könne nach der am Donnerstag beginnenden Tagung des Gouverneursrats der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA oder IAEO) stattfinden.

Größere Zugeständnisse angekündigt

Die drei EU-Staaten hatten am Vortag ihre Bereitschaft zu größeren Zugeständnissen signalisiert, um den Iran an den Verhandlungstisch zurückzubringen. In den Gesprächen soll es um einen russischen Vorschlag zur Lösung des Konflikts gehen. Der Westen befürchtet, dass der Iran hinter einer zivilen Nutzung der Kernenergie den Bau von Atomwaffen verbirgt.

Mottaki sagte, er habe am Vorabend mit dem britischen Außenminister Jack Straw telefoniert. "Wir haben die Richtung solcher Gespräche diskutiert. Unsere Kollegen werden nun den Zeitpunkt für den Beginn der Verhandlungen, die Ebene, auf der sie stattfinden, und den Ort festlegen."

Verzicht auf UNO-Sicherheitsrat

In diplomatischen Kreisen hatte es am Vortag am Sitz der IAEA in Wien geheißen, ein möglicher Gesprächstermin sei der 6. Dezember. Um dem russischen Vorschlag eine Chance zu geben, wollen die USA und die Europäische Union (EU) zudem zunächst auf ihr nächstes Druckmittel, eine Überweisung des Konflikts an den UNO-Sicherheitsrat, verzichten.

Dem russischen Vorschlag zufolge soll ein Teil des iranischen Atomprogramms in Russland und unter Kontrolle eines internationalen Gemeinschaftsunternehmens abgewickelt werden. Dies würde die Forderung nach einer größeren Transparenz des erfüllen und das Misstrauen gegenüber dem Iran abbauen.

Die vorherige Gesprächsrunde der drei EU-Staaten mit dem Iran war im August abgebrochen worden, als der Iran die UNO-Siegel an seiner Atomanlage in Isfahan aufbrach und eine Vorstufe der Urananreicherung wieder aufnahm. Deutschland, Frankreich und Großbritannien wollen diesen Verstoß nun vorerst dulden, um weitere Gespräche zu ermöglichen.

Opposition: Teheran täuschte IAEO-Inspektoren

Die iranische Opposition warf dem Regime in Teheran indess vor, die Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde getäuscht zu haben. Bei der Inspektion der Anlage in Parchin seien die Inspektoren zu einem Teil des Areals geführt worden, der nichts mit dem iranischen Atomprogramm zu tun habe, sagte Ali Safavi, Mitglied des Außenpolitischen Komitees des nationalen Widerstandsrats von Iran, am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Wien. Laseranreicherungsaktivitäten würden in einem anderen Teil der Anlage aber bereits vorgenommen.

Anfertigung in geheimen Tunneln

Die Inspektoren hätten bei ihrem kürzlichen Besuch die nördlich gelegene Sektion 10 der Anlage in Parchin besucht, wo u.a. Teile zur iranischen Luftabwehr gefertigt würden, führte Safavi aus. Nuklear- und Laserforschung werde aber Sektion 1 in einem geheimen Tunnel getätigt. Diese Sektion liege auf dem Landweg zehn Kilometer weiter südlich hinter Bergen versteckt und sei über ein anderes Tor zugänglich. Safavi forderte, die UN-Inspektoren sollten dort "jedes einzelne Gebäude inspizieren".

Das Regime in Teheran habe außerdem angefangen Tunnel zu bauen, um zu vermeiden, dass weitere Informationen über das Atomprogramm bekannt würden. Dort sei auch Material aus der Anlage Lawissan-Shian hingeschafft worden, bevor die Inspektoren diese im Juni 2004 untersucht hätten. Die Tunnel seien zudem mit Blei verstärkt worden, um den Austritt von radioaktiven Partikeln zu vermeiden.

Verweis auf hochrangige Stellen

Der Widerstandsrat beruft sich auf hochrangige Stellen, die mit dem Atomprogramm vertraut seien. Die Versuche, die Aktivitäten zu einem militärischen Nuklearprogramm zu verheimlichen seien auch der Grund, warum es so lange gedauert habe, bis die Inspektoren Zugang zu den iranischen Anlagen erhalten hätten. (APA/Reuters)

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