2005: Roma am häufigsten Zielscheibe von Rassismus

Redaktion
28. April 2008, 10:52

EUMC-Bericht zu Rassismus in der EU: MigrantInnen werden vor allem im Arbeits- und Wohnungsbereich diskriminiert

Wien - Migranten und Minderheiten sind überall in der Europäischen Union in den unattraktivsten Beschäftigungsbereichen überrepräsentiert. Zu diesem Schluss kommt die in Wien ansässige Europäische Stelle zur Beobachtung von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit (EUMC) in ihrem Jahresbericht 2005, der am Mittwoch dem EU-Parlament vorgelegt wird und den ersten umfassenden Überblick über "rassistisch, fremdenfeindlich, antisemitisch und anti-moslemisch motivierte Diskriminierung" sowie Reaktionen darauf in den nunmehr 25 EU-Staaten darstelle.

Verschiedene Diskriminierungsmuster

Obwohl jedes Land seine eigenen "Muster" habe, seien bestimmte Bevölkerungsgruppen als Opfer diskriminierender Behandlung auf dem Arbeitsmarkt überrepräsentiert, schreibt die Organisation in einer im Voraus übermittelten Zusammenfassung des Jahresberichts 2005. Üblicherweise hätten Arbeitsmigranten aus Afrika, dem Nahen Osten, Asien sowie Mittel- oder Südamerika unter großer Diskriminierung zu leiden. Es gebe auch Hinweise, dass in jüngerer Zeit eingewanderte Migranten aus Russland und der Ukraine in einigen EU-Staaten Diskriminierungen ausgesetzt seien.

Roma am häufigsten Zielscheibe von Rassismus

In manchen der neuen EU-Mitgliedstaaten seien vor allem Roma gefährdet, im Bereich Beschäftigung diskriminiert zu werden. Diese seien auch von extrem hohen Arbeitslosenraten betroffen. Generell sieht die EUMC die Bevölkerungsgruppe der Roma, die auch im Wohnungs- und Bildungsbereich diskriminiert werde, in der EU als häufigste Zielscheibe von Rassismus.

Wohnungsbereich

Für die 25 EU-Staaten legen die verfügbaren Informationen zum Wohnungsbereich laut dem Bericht nahe, dass sich Minderheiten, Migranten, Flüchtlinge und Asylsuchende regelmäßig mit Diskriminierung und Rassismus konfrontiert sehen. Statistiken nationaler Anlaufstellen zeigten, "dass Ausländer häufiger als die Mehrheitsbevölkerung in kleinen und überbevölkerten Wohnungen und unter unhygienischen und dürftigen infrastrukturellen Bedingungen leben". Aus manchen Ländern wie Griechenland, Irland und Zypern gebe es Berichte über überbelegte oder Substandard-Unterkünfte für Asylbewerber und Flüchtlinge in Aufnahmezentren und anderswo.

Österreich wird hier im Zusammenhang mit "Initiativen gegen Diskriminierung" genannt. Manche Stadtverwaltungen gingen gegen den Ausschluss von Drittstaaten-Angehörigen vom sozialen Wohnbau vor, indem sie diesen teilweise für Ausländer öffneten.

Geringere Leistungen im Schulbereich

Zum Bildungsbereich hält der Bericht fest, dass die schulischen Leistungen von Migranten- und Minderheitengruppen oft deutlich hinter jenen der Mehrheitsbevölkerung zurückblieben. Dies gelte im Allgemeinen auch für jene Schüler, deren Eltern im Ausland geboren, die aber selbst schon in dem betreffenden Staat aufgewachsen seien und ihre gesamte schulische Laufbahn dort absolviert hätten.

Im Bereich rassistisch motivierter Gewalt und Straftaten nennt die EUMC die Anschläge auf Vororte-Züge in Madrid (März 2004) sowie die Ermordung des Islam-kritischen Filmemachers Theo van Gogh in den Niederlanden (November 2004) als Ereignisse, die außerhalb der betreffenden Länder Auswirkungen gezeigt hätten. So hätten die Anschläge in Spanien laut Berichten in der Folgezeit in Frankreich zu einem Anstieg anti-moslemischer und antisemitischer Angriffe geführt. In Folge des Van-Gogh-Mordes sei es etwa in den Niederlanden zu einer Welle vor allem gegen Moslems und Moscheen gerichteter, gewalttätiger Vorfälle gekommen, ebenso wie zu Todesdrohungen gegen Politiker in Belgien.

Gesetzliche Umsetzung

Zum Thema Gesetzgebungsinitiativen wird in dem Bericht ausgeführt, dass die meisten Staaten die EU-Antidiskriminierungs-Richtlinien umgesetzt hätten. Jedoch seien Österreich, Deutschland, Luxemburg und Finnland im Juli 2004 wegen Nichterfüllung der Vorgaben der Richtlinie zur Gleichbehandlung ohne Unterschied der Rasse und im Dezember 2004 hinsichtlich der Richtlinie für Gleichbehandlung in Beschäftigung und Beruf vor dem Europäischen Gerichtshof geklagt worden.

Der EUMC-Bericht basiert auf Informationen, die der Organisation von ihren Anlaufstellen ("National Focal Points") in den einzelnen EU-Staaten übermittelt wurden. Es handle sich dabei um Konsortien, denen üblicherweise antirassistisch engagierte Nicht-Regierungsorganisationen, nationale Fachgremien zur Förderung der Gleichbehandlung, Menschenrechtsinstitute oder universitäre Forschungszentren zu Migrationsfragen angehörten. Die EUMC weist jedoch darauf hin, dass auf Grund bestehender Datenlücken ernsthafte Fälle von Diskriminierung in wichtigen Bereichen möglicherweise unbemerkt blieben. (APA)

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EUMC

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Erschütternd

Die hier geführte Diskussion zeigt deutlich, dass "Ausländer" oft als ver achtete Menschen zweiter Klasse angesehen werden. Roma sind nicht einmal das, denn viele sind ÖSTERREICHER!!!!!! werden de facto aber behandelt wie das Letzte.
Bitte das Buch von Ceija Stoika lesen, "Wir leben im Verborgenen", dann hat man ein für alle mal genug von den präpotenten Vorurteilen der Herren und Frauen Österreicher. Lernen Sie bitte einmal diese Menschen wirklich kennen, die auf eine kaum zu überbietende Geschichte der Vernichtung und Vertreibung zurückblicken. So viel Liebe wie von meinen Roma Freunden habe ich von anderen Menschen nicht erfahren. Ich habe den Eindruck, hier posten einige nur um des postens willen, es geht hier aber um MENSCHEN!!!!!!!!

der faschismus ist zwar geschichte

die dem zugrunde liegende gesinnung aber noch lange nicht.

Echt

Das Bewundernswerte an der Roma Kultur ist, dass sie echt ist und , dass sie ueber Grenzen und Generationen hinaus, ohne Schriften und elektronische Kommunikation (Fernsehen, Radio usw.) ihre Sprache(n) und ihre Identitaet erhalten und an die naechsten Generationen weitergeben.

Und was ist unechte Kultur?

das verstehe ich aber auch nicht ganz. was ist "echt" und was "unecht"? ich halte romantisierungen dieser art auch nicht fuer besonders hilfreich.

.

Eine Fahrt in die Slovakei, Ostungarn, die Ukraine, Bulgarien: Unvorstellbar, wie die Zigeuner dort hausen (müssen). Die anderen Bewohner meiden sie und halten sich möglichst fern von ihnen!

holen wir sie uns

Wenn die Slowaken und Rumänen die Roma nicht wollen, dann sollten wir sie offensiv anwerben.
Zigeunermusik am Bau statt Imam.

Das tun wir doch schon lange. Die organisierten Bettler in Wien und Graz sind slowakische und ungarische Roma, die busweise nach Österreich kommen.

ich meine es ja mit echten Jobs.

Da könnte sich z.B. die Wr. Stadtverwaltung ein Verdienst erwerben (Magistrat, Wr. Linien, Bestattung, Heizbetriebe, div. Firmen der bauholding, ...)

Na sows - Sie wollen unbedingt, dass auch wirklich jeder draufkommt


was dann auf ihn zukommt und was er dann für viel Geld tolerieren müsste.
js

JAJA

Die Roma wurden schon immer und überall ausgegrenzt, wieso auch nicht hier in Österreich...da sollte man aber etwas unternehmen und nicht wegschauen wie es der liebe und nette Ösi doch immer tut. Vor allem die Behörden lassen keinen Moment aus, um ihnen eine auszuwischen...kein Wunder bei einer Gesellschaft in der jeder zweite ein heimlicher Brauner ist, oder irre ich mich da? Da muss man nur mal, als Ausländer, im 21. spazieren gehen, und wird sein blaues Wunder erleben!

Wenn Sie die Burschen in die Heizbetriebe und zur Bestattung abschieben wollen, dass ist aber ein glatter Fall der Wiederbetätigung.

haben's die kameraden lustig?

ein schlechter "Scherz", igitt.

nach dieser Pressemeldung und allgemeinem Wissensstand sind die Roma in Osteuropa nicht hauptsächlich Akademiker und Facharbeiter.

Sie sind vielmehr unterdurchschnittlich ausgebildet, also wird man ihnen hauptsächlich nur Hilfsarbeiterjobs anbieten können. Und die von mir genannten Beispiele hat die Stadt halt einmal.

Bös. Aber das habe ich mir auch sofort denken müssen.

das wird nie was werden

solange man nicht gewissen minderheiten auch erzählt, was ihre hausaufgaben sind, bekommt man kein verständnis bei der mehrheit.
in laibach werden roma massiv von allen gemieden, aber, auch wenn es keiner hören will, nicht grundlos.
so wie bei uns angeblich kein schwarzer drogenhändler ist, sind die roma in slowenien auch keine waffenhändler, drogendealer und hehler.
der film "schnelles geld" im top kino erzählt ein wenig vom drogenmileu in wien. eigenartigerweise erzählen die dort gezeigten drogenkonsumenten auch von leichten drogenerwerb beim "bimbo".
toleranz ist etwas beidseitiges,solange man es versucht der mehrheit aufzuzwingen und vergisst der minderheit gewisse regeln beizubringen scheitert man.folge: parallelgeselschaft

das ist bloedsinn. die meisten nach allen parapraphen des suchtgiftgesetzes verurteilten sind inlaender. es gibt natuerlich schwarze drogendealer und sie sind auch im strassendealerbereich ueberproportional vertreten. rechtfertigt das rassimus, dem alle schwarzen ausgesetzt sind (ob kriminell oder nicht)? sind alle oesis kriminell, weil ueber 75% aller verurteilten in oesterreich oesis sind? und woher haben sie die aussagen zu waffenhandel und hehlerei? die groessten waffenhaendler sitzen in dicken lederpolstersesseln und nur manchmal gibt's skandale, weil irgendwo bloederweise dokumente auftauchen - das sind bestimmt keine roma. und hehlerei ist auch keine spezifische roma-eigenschaft. der "mehrheit" wird ueberhaupt nichts aufgezwungen.

Über 75 % der Österreicher ist aber wohl

deutlich weniger als deren Anteil unter den sich im Staatsgebiet Aufhaltenden.

mein gott, wollen sie immer dieselbe diskussion fuehren. ich spare mir die muehe. unter dem artikel "zara: rekord an rassismus-faellen im jahr 2005" hatten wir das schon. sie scheinen ein recht kurzes gedaechtnis zu haben.

nur soviel: wuerde selbst ein zehnfach hoeherer kriminalitaetsanteil unter nicht-oesis rassismus rechtfertigen? die rassistInnen sagen natuerlich ja. und solche, die verstaendnis fuer rassismus aufbringen, diesen als vom angeblichen fehlverhalten "anderer" herleitbar ansehen, natuerlich auch.

aus ihrer sicht ist es also ok., dass schwarze (egal ob nicht kriminell oder eben auch kriminell) ziel von rassismus werden? na, das ist ja beruhigend.

Was Ihre Frage betrifft, mir

ist unklar, wie Sie mit "also" offenbar aus meinem Posting ableiten können, so ist es natürlich nicht okay, wenn ehrbare und rechtschaffene Personen, egal welcher Ethnie, Ziel von Beleidigungen und Angriffen werden. Gegenüber nachweislich oder offenkundig kriminellen Personen, egal welcher Ethnie, sind persönliche verbale Konfrontationen, selbstverständlich rein sachbezogen, u.U. Ausdruck der Zivilcourage. Was darüber hinausgeht, ist als Selbstjustiz klar abzulehnen.

nun, dann stellt sich die frage, warum immer bei berichten, die im zusammenhang mit rassismus stehen, staendig wahlweise "auslaenderkriminalitaet" und "schwarz(afrikanisch)e drogenhaendler" etc. genannt werden. unter anderem von ihnen. das alles ist selbstverstaendlich und nie und nimmer als aufrechnung zu verstehen oder gar als rechtfertigung von rassismus. geschieht alles natuerlich *nur* zufaellig und muss doch auch gesagt werden duerfen. sie koennen mich ja fuer dumm und sonstwas halten halten, aber von vorne herein fuer dumm verkaufen muessen sie mich und andere hier nicht.

Ad Ausländerkriminalität: Weil es diese schlicht gibt -wie ja indirekt von Ihnen auch eingeräumt - (nicht zuletzt durch fehlenden möglichen legalen Gelderwerb und fortgesetzte Migrationsprozesse) und sie für böses

Blut und eine eingetrübte Stimmung sorgt, in deren Rahmen dann leider auch die von der Situation losgelösten Antipathien, Generalisierungen und Vorverurteilungen eine automatische (und bedauerliche) Renaissance erleben.
Sie ist damit durchaus eine der Ursachen des R., wenn auch zweifellos weder eine zentrale, noch eine irgendwie zu rechtfertigende.
Ähnliches gilt für die erwähnten Dealer - diese sind schlicht ein Phänomen der Wirklichkeit, das jedem/r ins Auge fallen muss, der dieses nicht fest verschließt. Das Attribut "schwarz"o.ö. ist natürlich ein unglücklich gewähltes, weil es allgemeine, ja kausale Zusammenhänge fälschlich suggeriert und ein archaisches "Ra**endenken" perpetuiert. Fairer wäre schon "nigerianisch","mauretanisch"usw.

nun, der frage weichen sie ja staendig aus, warum kriminalitaet, die von nicht-oesis begangen wird (speziell immer gerne zitiert eben der von ihnen erwahnte "schwarze drogendealer"), immer bei berichten ueber rassismus auftauchen muss. meine antwort kennen sie ja mittlerweile. ich halte das fuer rechtfertigungsstrategien, die rassismus verharmlosen. und sie springen nun einmal immer diesen leuten zu hilfe. daher meine bewertung ihrer person.

Nun, weil diese Fälle dem leider Gottes wohl unausrottbaren, wiewohl

längst völlig sinnlos, ja schädlich gewordenen xenophoben Impuls in uns, sei er kulturell tradiert oder genetisch verankert, neue Nahrung spendet und frische Vitalität einhaucht.
Weil außerdem der Vorwurf eines Verbrechens aus Rassismus, den Gebrauch einer obsoleten Kategorie der R. scheinbar wieder absegnet, die vermeintliche Spaltung der Menschheit in "R.en", wieder ins Bewusstsein gerufen, zu neuen, alten Lagerbildungen und Solidarisierungen "wir vs. die" anregt, mit dem Bedürfnis, das der eigenen "R." unterstellte Vergehen (meistens rein verbaler und verhältnismäßig folgenarmer Natur) durch ein der scheinbaren, evozierten Gegenseite zuzurechnendes, größeres und handfesteres Delikt gegenzuverrechnen, zu übertrumpfen und zu verteidigen.

ach ja, ich vergass, am rassisimus sind ja wieder die schuld, die ihn anprangern. die "auslaenderkriminalitaet" und die "schwarze drogenkriminalitaet" hingegen ist das einzig "reale". sie checken offensichtlich nicht einmal den widerspruch, in den sie sich begeben, indem sie kategorien benutzen, die sie angeblich ablehnen: herkunft als epitheton zu kriminalitaet. damit essentialisieren sie diese und genau diese essentialisierung bezeichne ich als kulturalistisch/rassistisch. sie schreiben oben, ich wuerde "auslaenderkriminalitaet" ja selbst nicht leugnen. ist so nicht ganz richtig. ich leugne nicht, dass kriminelle akte von aus- wie inlaenderInnen begangen werden. bloss sehe ich drin keine massgebliche verbindung zu kriminalitaet.

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