Wiener Börse: zieht immer mehr Auslandsbanken an

8. Dezember 2005, 17:41
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Österreich habe sich in den vergangenen Jahren zu einem "stabilen Finanzplatz" entwickelt, so der Chef der Wiener Börse Stefan Zapotocky

Wien - Österreich habe sich in den vergangenen Jahren zu einem "stabilen Finanzplatz" entwickelt. Für 2005 erwartet der Chef der Wiener Börse, Stefan Zapotocky, bis zu 7 Mrd. Euro an neuen Eigenkapitaltransaktionen und über 3 Mrd. Euro an Corporate Bonds. "Der Schnitt in den 90er Jahren lag zwischen 200 und 300 Millionen Euro", erklärte er Dienstagabend anlässlich der Buchpräsentation "Kapitalmarktrecht" in Wien.

In den vergangenen Jahren kam es zu einer Internationalisierung der Wiener Börse. Während noch 1999 nicht-österreichische Banken, die Mitglieder an der Wiener Börse waren, einen Umsatz von unter 5 Prozent erzielten, sind mittlerweile führende Banken wie etwa Morgan Stanley oder Merrill Lynch in Wien und erzielten im Oktober einen Umsatz von rund 49 Prozent, strich Zapotocky hervor.

Derzeit seien 43 heimische und 28 ausländische Banken an der Wiener Börse tätig. Bis Jahresende sollen zwei weitere folgen, so Barbara Bösner, zuständig für die Anbindung internationaler Finanzinstitute an die Wiener Börse, auf APA-Anfrage.

Vertrauen in heimischen Finanzmarkt

Zapotocky würdigte anlässlich der Buchpräsentation explizit die Rolle der Jurisprudenz, die das Vertrauen in heimischen Finanzmarkt gestärkt habe. Wichtig sei es für den heimischen Kapitalmarkt, auch andere Kapitalmärkte - etwa in CEE-Raum - zum Funktionieren zu bringen. Hier müsse man feinfühlig vorgehen. Beteiligungen wie an der Budapester Börse seien in nächster Zeit nicht geplant. Vielmehr wollen man als Ratgeber und Begleiter beim Aufbaue eines funktionierenden Finanzmarktes fungieren. "Es herrscht sehr großes Vertrauen in unsere Expertisen", betonte der Börse-Chef.

Mit 1. Dezember wird die Kooperation zwischen der Wiener und der Zagreber Börse in Kraft treten. Nach einem Vorvertrag, der bereits im Oktober unterschrieben wurde, folgte die Vertragsunterzeichnung im November. Die Zusammenarbeit soll dem Vorbild der Kooperation mit der Bukarester Börse folgen, wo als ein Ergebnis der "Romanian Traded Index" - ein kapitalisierungsgewichteter Preisindex - ins Leben gerufen wurde.

"Europa war und ist der Motor der kapitalmarktrechtlichen Entwicklung", erklärte Susanne Kalss, Mitautorin des Werkes und Professorin für Handels- und Zivilrecht an der Wirtschaftsuniversität Wien. Immer öfters brauche man jedoch Berge von Materialien, um einfache Rechtsfragen zu lösen, kritisierte Kalss die vorherrschende Gesetzesflut.

Mehr Bewusstsein für kapitalmarktrechtliche Fragen

Zwar sei die Publizität von kapitalmarktrechtlichen Fragen durch das Internet zufrieden stellend, jedoch sei die inhaltliche Zugänglichkeit oft schwer und auch intransparent. Nachholbedarf sieht Kalss für Bewusstsein für kapitalmarktrechtliche Regelungen. "Verstöße gegen das Kapitalmarktrecht - etwa bei der Informationsweitergabe - dürfen kein 'Kavaliersdelikt' mehr sein", fordert Kalss im Gespräch mit der APA.

Das vorgestellte zweibändige Werk bietet im ersten Band einen umfangreichen Überblick über die aktuellen Entwicklungen des heimischen Kapitalmarktrechts, etwa des Börsegesetzes oder auch des Prospektrechts. Der zweite Band, der auf über 1.300 Seiten die österreichischen und europäischen Rechtsquellen beinhaltet, zeugt von der Komplexität der Rechtsmaterie. (APA)

Buch: Kalss/Opptiz/Zollner "Kapitalmarktrecht" Band I + II, Linde 2005, 862 und 1314 Seiten, Leinen, Einzelpreis: Band I 168,- Euro, Band II 108,- Euro (zusammen im Schober 248,- Euro)

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