Britische Studie: Konflikt wird noch Jahrzehnte dauern

29. November 2005, 19:39
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Oxford Research Group: Großbritannien kann Truppen nur zurückziehen, wenn es Bündnis mit Washington aufkündigt

London - Die USA und Großbritannien könnten nach Ansicht einer britischen Forschergruppe noch Jahrzehnte in den Irak-Konflikt verwickelt sein. Die Besetzung des Landes komme zudem einem "Geschenk" an das Terrorornetzwerk Al Kaida gleich, stellte die Oxford Research Group in einer am Mittwoch veröffentlichten Studie fest. Es gelinge der Al Kaida, immer neue Rekruten für Terroranschläge zu gewinnen, indem sie die US-Präsenz im Irak als "neo-christliche Okkupation eines bedeutenden islamischen Staates" darstelle.

Großbritannien werde seine Truppen nur in dem "höchst unwahrscheinlichen" Fall zurückziehen können, dass es sein Bündnis mit Washington aufkündigt. "Das wäre dann ein grundsätzlicher Wandel in der Politik der Blair-Regierung, der zu den weitaus schärfsten Differenzen in den Beziehungen zu Washington in den letzten acht Jahren führen würde", heißt es in der Studie. "Unter den gegebenen Umständen ist dies höchst unwahrscheinlich, dennoch dürfte der Krieg in den nächsten Jahren einen größer werdenden Schatten auf die britische Politik werfen."

Britischer Rückzug im kommenden Jahr möglich

Verteidigungsminister John Reid hatte in der vorigen Woche erklärt, der Rückzug der rund 8000 britischen Soldaten aus dem Irak könne wahrscheinlich im kommenden Jahr beginnen. Es gebe allerdings noch keinen "unveränderlichen Zeitplan". Hingegen erklärte Premierminister Tony Blair am Dienstag, ein übereilter Truppenabzug würde den Irak schutzlos rivalisierenden Gruppen ausliefern und komme daher nicht in Frage.

Nach Einschätzung der Oxford Research Group ist es für eine Beilegung des Irak-Konflikts von überragender Bedeutung, dass die Sicherheit im Lande und eine stabile Regierung gewährleistet werden. Der langfristige Zugang zu den Ölvorkommen in der Golfregion sei für die USA angesichts ihrer wachsenden Abhängigkeit von importiertem Erdöl lebenswichtig. Ein Abzug der US-Truppen wäre daher "ein außenpolitisches Desaster, das größer wäre als jenes beim Rückzug aus Vietnam".

Die Opposition forderte die Regierung unterdessen zur Vorlage einer "umfassenden Strategie für Großbritanniens Ausstieg aus dem Irak" auf. Die Studie verstärke die Unsicherheiten hinsichtlich der Dauer der britischen Truppenpräsenz im Irak, erklärte der außenpolitische Sprecher der Liberaldemokraten, Sir Menzies Campbell. (APA/dpa)

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    Britische Studie: USA und Großbritannien könnten noch Jahrzehnte in den Irak-Konflikt verwickelt sein.

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