Heftige Reaktionen in Italien

16. Dezember 2005, 08:00
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Aktivisten der Gay-Rechte protestieren - Lega Nord begrüßte den Inhalt des Dokuments

Vatikanstadt - Das Vatikan-Dokument über den Ausschluss von Homosexuellen vom Priesteramt, das bereits in einigen Medien erschienen ist, hat heftige Reaktionen in Italien ausgelöst. Scharfe Kritik erntete das Dokument, das in der kommenden Woche veröffentlicht werden soll, in italienischen Linkskreisen. Parlamentarier der oppositionellen Linksdemokraten warnten vor einer Verteufelung der Homosexuellen. Der Präsident des italienischen Verbands für die Rechte der Homosexuellen, Arcigay, Franco Grillini, warf dem Vatikan vor, eine homosexuellenfeindliche Moral zu propagieren, die nicht einmal von der Mehrheit der Katholiken geteilt werde.

Lega Nord begrüßte den Inhalt des Dokuments

Die rechtspopulistische Regierungspartei Lega Nord, die sich mit Nachdruck für den Schutz der "traditionellen" Familien einsetzt, begrüßte den Inhalt des Dokuments. In den vergangenen Monaten hatte Lega-Chef Umberto Bossi die Homosexuellen öfters beschuldigt, die Institution der Familie verderben zu wollen. Sie seien Teil eines groß angelegten Projekts, um im Namen der Globalisierung die "natürliche Familie" zu zerstören. Bossi hatte öfters unterstrichen, seine Partei werde weiterhin in Europa gegen die Anerkennung des Rechts homosexueller Paare, Kinder zu adoptieren, kämpfen. Homosexuellenverbände hatten in Italien bereits gegen die "diskriminierende" Politik der Lega Nord demonstriert.

Die Anweisung des Vatikan zum Umgang mit homosexuellen Priesteranwärtern ist über die katholische Nachrichtenagentur Adista an die Öffentlichkeit gelangt. Adista veröffentlichte am Dienstag auf ihrer Internetseite das Dokument, das vor "negativen Konsequenzen" warnt, sollten Homosexuelle für das Priesteramt ernannt werden. Die katholische Kirche dürfe nur solche Männer für das Amt zulassen, die keine Homosexualität praktizierten, ihre Neigung nicht offen zur Schau trügen und die so genannte Schwulenkultur nicht unterstützten, hieß es.

Gleichgeschlechtliche Liebe wird als "Störung" bezeichnet

Auf die Priesterweihe bestehe kein Anrecht, hieß es in dem Dokument weiter. Es sei "tief unredlich", wenn ein Priesteranwärter seine Homosexualität verberge, um in das Amt eingeführt zu werden. Junge Menschen, die mit der Homosexualität ein "vorübergehendes Problem" gehabt hätten, ohne dabei in ihrer Persönlichkeit maßgeblich beeinflusst worden zu sein, sollten vor ihrer Ernennung zum Diakon drei Jahre abwarten, um ihre Neigung "hinter sich zu lassen". Zwar hätten Homosexuelle ein Recht darauf, "respektiert" zu werden, doch sei die gleichgeschlechtliche Liebe eine "Störung", und homosexuelle "Akte" seien "schwere Sünden".

Der Text, den Papst Benedikt XVI. Ende August unterzeichnet hatte, sei in der vergangenen Woche an Bischöfe und Leiter von Priesterseminaren in der ganzen Welt gegangen, hieß es übereinstimmend aus verschiedenen Quellen. Die Direktive soll demnach am kommenden Dienstag in der Vatikan-Zeitung "Osservatore Romano" veröffentlicht werden. Die italienische Zeitung "Corriere della Sera" hatte Anfang Oktober erste Auszüge aus dem Dokument gedruckt. (APA)

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