Postbus will mehr Fahrgäste

8. Dezember 2005, 18:05
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100 Projekte zur Neugestaltung des Verkehrs mit neuen Fahrplänen und Routen liegen in der Schublade - 150 bis 180 neue Busse werden angeschafft

Wien - Die ÖBB-Postbus GmbH will durch eine Neugestaltung ihrer Fahrpläne und Routen neue Fahrgäste gewinnen und nach der Übernahme des Bahnbusses gleichzeitig auch weiter einsparen. Rund 100 Projekte zur Neugestaltung des Verkehrs würden bereits in der Schublade liegen. Außerdem werde man im nächsten Jahr erneut 150 bis 180 neue Busse anschaffen, sagte Postbus-Vorstand Paul Frey Dienstagabend in einem Hintergrundgespräch.

Würden alle Projekte umgesetzt, was vor allem von der Finanzierung durch Bund und Länder abhängt, könnten die Fahrgastzahlen um bis zu 30 Prozent gesteigert werden, so Frey. Geplant sind dabei unter anderem Ausbaumaßnahmen im Süden Wiens, neue Schnell-Bus-Verbindungen, neue Schiene-Bus-Verbindungen, eine stärkere "Vertaktung" der Abfahrt-Zeiten, neue so genannte "bedarfsorientierte Angebote" wie Anruf-Sammeltaxis, die Einrichtung von Bedarfshaltestellen oder Rufbusse und die stärkere Anpassung der Haltestellen und Linienführungen auf die Fahrgastbedürfnisse, im Fachjargon "Verknotung" bezeichnet, wofür der Postbus bereits umfangreiche Fahrgastzählungen durchgeführt und Daten zu Fahrgastströmen der Statistik Austria analysiert hat.

Mehr "Bestellerförderung"

Helfen soll der ÖBB-Bustochter dabei die Anhebung der so genannten Bestellerförderung durch den Bund. Verkehrsstaatssekretär Helmut Kukacka hat zuletzt eine Anhebung der Mittel von 11,5 auf 30 Mio. Euro angekündigt. Wie viele der 100 Projekte damit realisiert werden können, werde allerdings noch davon abhängig, wo die Bundesländer diese Mittel hinleiten und wie viel Länder und Gemeinden noch zusätzlich aufbringen werden, erklärte Frey.

Der Postbus will mit den neuen Konzepten nicht nur neue Kunden gewinnen, sondern sich damit auch auf den zunehmenden Wettbewerb vorbereiten. Nach einer Novelle des Kraftfahrliniengesetzes, die dieser Tage im Parlament eingebracht werden wird, wird die automatische Verlängerung der Bus-Konzessionen im nächsten Jahr abgeschafft. Die Konzessionen laufen dann nach spätestens acht Jahren aus und müssen dann verpflichtend ausgeschrieben werden, auch wenn eine Direktvergabe auch in Zukunft unter bestimmten Voraussetzungen weiter möglich sein wird.

Beim Postbus spricht man von einer "drastischen Verschärfung des Wettbewerbs". In Deutschland etwa, wo Bus-Linien schon seit langem ausgeschrieben werden, haben Post- und Bahnbus nur noch einen Marktanteil von 8 Prozent.

Einsparungen notwendig

Um auch preislich mit der Konkurrenz mithalten zu können, will der Postbus nach der Übernahme des Bahnbusses ab nächstem Jahr weiter einsparen. Das erste Basisjahr von Postbus und Bahnbus unter einem Dach werde "keine Gewinne" bringen, bekräftigte Frey. In Medienberichten war zuletzt von einem Verlust von 10,9 Mio. Euro im heurigen Jahr die Rede gewesen. Nach der Integration sei mittlerweile klar, "wo wir beim Bahnbus stehen", so der Vorstand. 2006 werde nun "das Jahr der Maßnahmen sein". Sparen will das Unternehmen beim Dieselaufwand genauso wie beim sonstigen betrieblichen Aufwand und beim Personalaufwand. Konkrete Ziele gibt es laut Frey noch nicht.

Derzeit beschäftigt der Postbus/Bahnbus knapp 4.000 Mitarbeiter, davon sind 1.450 vom Bahnbus. Der Postbus hatte in den vergangenen drei Jahren vor der Fusion bereits knapp 400 Mitarbeiter abgebaut und damit den Sprung in die schwarzen Zahlen geschafft.

Konkurrenz rüstet sich

Die Konkurrenz rüstet sich unterdessen bereits für den Markteinstieg. Das Thema eines Einstiegs in den österreichischen Busmarkt sei "weiterhin verfolgenswert", sagte Axel Sondermann, Manager der Deutschen Bahn, bei einem Besuch in Wien. Die Deutsche Bahn hatte sich bereits bei der Teilprivatisierung des Postbusses für einige Linien in Salzburg interessiert, war damals jedoch nicht zum Zug gekommen. Ob ein neuerlicher Anlauf für die Deutschen tatsächlich attraktiv sein könnte, werde erst von der neuen Vergabepraxis abhängen, betonte Sondermann. Alle an Deutschland grenzenden Länder würden aber von der Deutschen Bahn im Interesse der Bestandssicherung grundsätzlich beobachtet.

Auch der Postbus will unterdessen im Ausland weiter wachsen. 2004 hatte der Postbus das südböhmische Busunternehmen CSAD Budweis übernommen. Weitere Zukäufe in Tschechien, aber vor allem auch in Ungarn und weiters in Slowenien und der Slowakei sind in Prüfung. Zunächst wolle man vor allem Synergien im Grenzverkehr heben, dann in die Nachbarländer vordringen und schließlich auch Insellösungen in weiter entfernten osteuropäischen Ländern prüfen, so Frey.(APA)

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    Um bis zu 30 Prozent sollen die Fahrgastzahlen gesteigert werden.

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