Abbremsen der US-Zinserhöhungen in Sicht

8. Dezember 2005, 18:49
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Notenbank-Protokoll deutet auf Abbremsen der US-Zinserhöhungen hin - Offenmarktausschuss: Geldpolitik soll sich sensibler an künftigen Konjunkturdaten ausrichten

Washington - Die Serie von Zinserhöhungen der US-Notenbank Federal Reserve könnte sich nach eineinhalb Jahren allmählich ihrem Ende zuneigen. Mehrere Mitglieder des zuständigen Offenmarktausschusses warnten bei der Zinsentscheidung am 1. November vor einer zu starken Erhöhung der Leitzinsen. Das geht aus dem am Dienstag in Washington veröffentlichten Sitzungsprotokoll zur damaligen Sitzung des Offenmarktausschusses der Notenbank hervor.

Alle Mitglieder des Offenmarktausschusses hätten darin übereingestimmt, die geldpolitische Unterstützung der Wirtschaft wegen gestiegener Inflationsrisiken zurückzufahren, heißt es im Protokoll. Die künftige Geldpolitik müsse sich aber "sensibler" an den künftigen Konjunkturdaten ausrichten.

Zwölfte Erhöhung vor drei Wochen

Die US-Notenbank hatte ihren Leitzins vor drei Wochen wegen der Inflationsrisiken zum zwölften Mal in Folge auf 4,00 Prozent angehoben und weitere Zinsschritte nach oben in einem "maßvollen Tempo" angekündigt. Auf diese Formulierung wird möglicherweise in künftigen Veröffentlichungen nicht mehr zurückgegriffen. "Verschiedene Aspekte der Wortwahl (...) müssen in Kürze verändert werden, besonders jene zur Charakterisierung und zum Ausblick der Politik", heißt es im Sitzungsprotokoll.

Beobachtern zufolge deuten diese Äußerungen auf ein Ende der Zinserhöhungen hin. "Damit haben die Ausschussmitglieder zum ersten Mal einen Hinweis darauf gegeben, dass wir uns dem Ende des aktuellen Zinserhöhungszyklus nähern", sagte Volkswirt Michael Sheldon von Spencer Clarke. Die Notenbank hatte den Leitzins erstmals im Juni 2004 angehoben, nachdem sie ihn zuvor auf dem historische Tiefstand von 1,00 Prozent gehalten hatte.

Eurokurs legt zu

Der Eurokurs legte nach Veröffentlichung des Sitzungsprotokolls kräftig zu und markierte bei 1,1823 Dollar ein Tageshoch. Der in diesem Jahr kräftig gewachsene US-Zinsvorsprung belastet seit Monaten die europäische Gemeinschaftswährung. Die US-Anleihen verzeichneten deutliche Kursgewinne. An der Wall Street legten die Aktienkurse leicht zu. Steigende Leitzinsen verteuern indirekt die Kreditaufnahme für Unternehmen und Verbraucher und können daher die Börsenkurse belasten.

Die US-Wirtschaft befindet sich nach Einschätzung der Notenbank weiter auf einem kräftigen Wachstumspfad. Die Konjunktur habe im dritten Quartal eine gute Aufwärtstendenz gezeigt. Die negativen Folgen der Hurrikane seien "begrenzt und vorübergehend". (APA)

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