23.11.: Zwei Ehrenjahre für Köb - oder doch mehr?

8. Dezember 2005, 19:59
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Mumok-Chef Edelbert Köb kämpft um Verlängerung seines Vertrags

In der Abendausgabe der Samstags-Presse wurde berichtet, dass der Ende 2006 auslaufende Vertrag von Mumok-Chef Edelbert Köb um zwei Jahre verlängert werden soll. In der Morgenausgabe fehlte sonderbarerweise der Hinweis auf die zwei Jahre. Zu lesen war daher nur, was im STANDARD bereits am 29. Oktober zu erfahren war: Köbs Chancen auf eine Wiederbestellung haben sich im Sommer stark verbessert.

Die Austria Presse Agentur hielt am Montag dennoch an den zwei Jahren fest: Ein Juristengremium prüfe gerade, ob eine Weiterbestellung ohne vorherige Ausschreibung möglich sei. Falls der Bescheid zugunsten Köbs ausfalle, werde der amtierende Mumok-Direktor noch weitere zwei Jahre bleiben. Später machte die APA einen Rückzieher: Der Satz mit den zwei Jahren habe zu entfallen.

Im Prinzip stimmt die Meldung natürlich. Doch der Wirt hat wieder einmal die Rechnung ohne den Gast gemacht: Man schlug Köb zwei Ehrenjahre vor, der Direktor willigte aber (noch) nicht ein. Er hält eine Periode von zumindest vier Jahren für nötig, um seine Ziele, die er dem Kuratorium bereits präsentierte, realisieren zu können.

Köb plädiert, was nie infrage gestellt wurde, für ein Sammlungsmuseum: Er fuhr heuer bewusst ein Sparprogramm, um im kommenden Jahr mehr Geld für Ankäufe zu haben. Und ab Ende 2006 will er auftrumpfen: mit einer Erwin-Wurm-Retrospektive etwa, die danach in Aachen, Bordeaux, Hamburg (Deichtorhallen) und St. Gallen zu sehen sein wird. Im Anschluss daran beschäftigt sich das Mumok mit dem aktionistischen Schaffen von Yves Klein.

Und für die große Ausstellung über die zeitgenössische Kunst in China, die in Zusammenarbeit mit dem Nationalmuseum in Peking realisiert wird, räumt man das gesamte Museum aus. Erstmals wurde nämlich mit Köb ein Kurator aus dem Westen eingeladen, eine Überblicksschau über das systemkritische Kunstschaffen im Reich der Mitte, das bisher bestenfalls toleriert wurde, zusammenzustellen. Sie soll - nach der Präsentation in Wien - auch in China gezeigt werden. Diese Zäsur bietet die Möglichkeit zu einer völligen Neuaufstellung der Schausammlung, über die sich Edelbert Köb bereits Gedanken macht. Zudem sind schon mehrere Ausstellungen für die Zeit danach in Vorbereitung, darunter etwa Bad Painting und, kuratiert von Cathrin Pichler, Constallation (mit Klassischer Moderne).

Dass sich Edelbert Köb daher mit zwei zusätzlichen Jahren nicht zufrieden geben will, ist verständlich. Er verspürt auch kein gesteigertes Verlangen, Ende 2008, also mit 66 Jahren, an die Akademie der bildenden Künste zurückzukehren, nur um dort bis zu seiner Emeritierung ein paar Orchideenvorlesungen zu halten.

Der karenzierte Professor für Werkerziehung schlägt nun vor, im Fall einer vierjährigen Vertragsverlängerung sofort auf den vakanten Lehrstuhl zu verzichten. Eine solche Entscheidung wäre ganz im Sinne von Stephan Schmidt-Wulffen, da der Rektor auch im Bereich der Pädagogik Reformschritte setzen will.

Doch zunächst gilt es zu klären, ob eine Ausschreibung des Postens, an der sich Köb natürlich beteiligen kann, vonnöten ist. Bisher verlängerte Bildungsministerin Elisabeth Gehrer die Verträge der Museumsdirektoren, ohne mit der Wimper zu zucken.

Es scheint daher ein wenig sonderbar, dass just jetzt der Rechnungshof ins Treffen geführt wird, der in seinem vernichtenden Bericht über das Kunsthistorische Museum die Ausschreibung einmahnte. Zumal Gehrer bis dato keine Anstalten machte, pro Museum zwei Geschäftsführer, wie vom Rechnungshof seit Jahren gefordert, einzusetzen.

Ganz sicher hingegen muss die Direktion der Österreichischen Galerie ausgeschrieben werden: Gerbert Frodl geht bereits in dreizehn Monaten in Pension. Das Ministerium sah bis dato aber keine Veranlassung, die Nachfolgesuche aktiv zu betreiben. Auf Anfrage heißt es seit August lediglich, die Ausschreibung werde "demnächst" veröffentlicht. Es steht zu befürchten, dass man bis in den Advent hinein zuwarten will. Denn dann würde die Bewerbungsfrist nach den Weihnachtsfeiertagen enden, was möglicherweise eine geringe Zahl an Interessenten zur Folge hätte. (DER STANDARD, Printausgabe, 23.11.2005)

Von Thomas Trenkler
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