Austria nach Stronach

15. Oktober 2006, 19:07
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Etliche haben Frank Stronach nicht verstanden, als er sich im Sommer 1998 nicht auf Rapid, sondern auf die Austria stürzte. Bei der Austria fand er ein nicht wirklich anziehendes Stadion und nicht halb so viele Fans vor. Vielleicht hat Stronach gerade die Größe der Aufgabe gereizt, vielleicht wollte er umso mehr bewegen im Horr-Stadion oder in scheinbar absehbarer Zukunft in Rothneusiedl, wohin er eine neue Arena stellen und die Stadt daraufhin eine U-Bahn schicken wollte.

Doch in Rothneusiedl rannte Stronach bei einigen Grundbesitzern vergeblich an. Dem Vernehmen nach hat Helmut Denk, Chef eines Logistikunternehmens, der bei der Generalversammlung am Donnerstag über einen Misstrauensantrag gegen das Austria-Präsidium abstimmen lässt, im Süden Wiens die besseren Karten. So gesehen könnte in Rothneusiedl immerhin ein Grund für Stronachs Ausstieg bei der Austria liegen. U-Bahn und "Development" in Rothneusiedl sind jedenfalls ungefährdet, wie Bürgermeister Michael Häupl versichert.

"Wir verstehen ihn", haben zuletzt im Chor die heimischen Klubfunktionäre Stronach besungen. Dieser habe es nicht nötig, sich "ständig ans Bein pinkeln", "beleidigen" und "provozieren" zu lassen. Einige dieser Funktionäre hoffen, dass Stronachs Blick nun wohlwollend auf ihre Vereine fällt. Stronach, auch Bundesliga-Präsident, hat da und dort schon finanziell geholfen, dafür kann er da und dort bei Transfers mitmischen, ohne darin eine Unvereinbarkeit mit seiner Präsidentschaft zu sehen. Vergleichsweise geringe Sorgen muss sich die Austria selbst machen, deren Fan und Kuratoriumsvorsitzender der Bürgermeister ist. Hier ist man geneigt, bei der Hymne der seinerzeit von Stronach minder geschätzten Rapid eine Anleihe zu nehmen: "Egal was kommt im Leben, Austria wird’s immer geben." (Fritz Neumann, DER STANDARD Printausgabe 23. November 2005)

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