Geld für Alten-Betreuung wird knapper

25. November 2005, 20:09
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Bis zur Jahrhundertmitte steigt der Anteil der über 60-Jährigen an der Bevölkerung von einem Fünftel auf ein Drittel

Bis zur Jahrhundertmitte steigt der Anteil der über 60-Jährigen an der Bevölkerung von einem Fünftel auf ein Drittel - die Zahl der Menschen über 80 wächst dabei überproportional. Diese Gruppe braucht besonders oft Pflege - aber diese ist nicht mehr so leicht finanzierbar.

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Wien - Kein Grund zur Panik. "Im Moment haben wir keinen wie immer gearteten oder wie immer herbeigeredeten Pflegenotstand", versichert der ÖVP-Sozialsprecher Walter Tancsits. Und im Sozialministerium räumt die Sprecherin Christina Aumayr zwar ein, "dass zu wenig Pflegepersonal da ist und jenes aus den neuen EU-Ländern teilweise in einer rechtlichen Grauzone agiert", von Notstand will aber auch sie nicht sprechen.

Immerhin würde ein Großteil der Pflegeleistungen in den Familien erbracht: Nur 15 Prozent der pflegebedürftigen Personen sind derzeit in Heimen untergebracht, weitere zehn Prozent erhalten professionelle Hilfe durch soziale Dienste daheim.

Das heißt: Bei rund 85 von 100 Pflegebedürftigen erfolgt die Betreuung in den eigenen vier Wänden. Das entspricht dem Wunsch der Betroffenen, entlastet den Staat - aber es belastet die Angehörigen. Aumayr: "In der Steiermark haben wir ein Pilotprojekt mit einem Pflegescheck eingeführt, um Leute zu schulen, was sie machen sollen, wenn sie einen Verwandten aus dem Krankenhaus holen und der ist plötzlich ein Pflegefall."

Und diese Situation wird künftig eher öfter auftreten als bisher: Die Zahl der Senioren steigt, wie auch die Grafik zeigt, schnell: bis 2030 von derzeit 22 auf dann 31 Prozent der Bevölkerung. Wobei durch die steigende Lebenserwartung die Zahl der Hochbetagten über 80 die größten Zuwächse hat.

Diese Hochbetagten sind aber auch jene, bei denen der Pflegebedarf am wahrscheinlichsten wird, sagt Eva Bauer vom Haus der Barmherzigkeit in Wien: "Natürlich ist es wünschenswert, wenn sie daheim bleiben können, aber irgendwann geht es bei vielen daheim eben nicht mehr."

Umdenken beim Staat

Und das wird kosten: "Es ist bisher vom Staat viel finanziert worden, aber jetzt gibt es ein Umdenken, weil man sieht, das geht sich irgendwann nicht mehr aus," sagt Bauer. Im Haus der Barmherzigkeit - mit 130 Jahren eine der ältesten Pflegeeinrichtungen Österreichs - werden derzeit 500 Patienten betreut, die im Schnitt 87 Jahre alt sind. 80 Prozent der Pension müssen sie für die Pflege abliefern, dazu das Pflegegeld - ohne öffentliches Geld und Spenden wäre eine Betreuung nicht möglich.

Daher wird immer deutlicher eine eigene verpflichtende Pflegeversicherung angedacht - etwa vom Gemeindebundpräsidenten Helmut Mödlhammer (im Interview rechts), der sich damit bei seinem Parteifreund Tancsits allerdings nicht beliebt macht - dieser erklärte dem STANDARD: "Ich halte nichts davon, eine neue Pflichtversicherung einzuführen."

Sinnvoll sei allerdings, wenn jemand Eigenvorsorge betreibt, weshalb auch das Bausparen seit 1. September für Vorsorgemodelle geöffnet wurde. Auch die klassische Versicherungswirtschaft greift den Trend auf: Die Uniqa Versicherung gründet ein Unternehmen, dass Pflegedienstleistungen anbieten soll. Uniqa-Vorstand Gottfried Wanitschek wünscht sich allerdings, dass die Mehrwertsteuer von derzeit 20 zumindest auf zehn Prozent reduziert wird.

Das Unternehmen soll sich vor allem um jene immer größer werdende Zahl betagter Menschen kümmern, die in der eigenen Wohnung bleiben wollen, dort allerdings Pflege-und Hilfsdienste in Anspruch nehmen wollen (oder müssen). Dazu gehört auch Essen einkaufen zu gehen, die Menschen beim Spazierengehen zu begleiten oder einfach mit ihnen Karten zu spielen - im Alter allein zu sein, gehört nämlich zu den großen Sorgen der älter werdenden Bevölkerung (Bericht links unten).

Wohlbefinden in geistiger und körperlicher Frische ist aber andererseits auch ein wesentlicher Faktor, wenn es gilt, ein Abgleiten in die Pflegebedürftigkeit zu vermeiden: "Wenn wir diejenigen, die nur in Heimen sind, weil sich sonst niemand daheim um sie kümmert, herausbekommen, ist schon viel erreicht," sagt Tancsits.

Zwar werde es auch künftig Fälle geben, wo Patienten wegen ihrer Demenz oder nach einem Schlaganfall stationäre Betreuung brauchen - "aber wir müssen da vorbeugen; und wir können da vorbeugen. Gerade bei Schlaganfällen, die vor 20 Jahren noch einen Pflegefall geschaffen haben, kann heute durch sofort einsetzende Rehabilitation ein normales Leben ermöglicht werden."

Es sei "falsch, auf die Statistiken zu starren - dass die Menschen älter werden, darf nicht heißen, dass sie im selben Maß immobil werden, wie es die Hochbetagten heute sind." (DER STANDARD, Conrad Seidl, Claudia Ruff, Printausgabe, 23.11.2005)

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    quelle: statistik austria
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