"Der Motor im Handel läuft runder"

8. Dezember 2005, 18:38
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Ertragskraft und Eigen­kapitalanteil steigen, noch kämpft aber ein Viertel der Unternehmen mit Ver­lusten und negativem Eigenkapital

Wien – "Der Motor im Handel läuft runder". So fasst Erich Lemler, der Obmann der Handelssparte der Wirtschaftskammer Österreich, die Situation der heimischen Handelsunternehmen zusammen.

Im heurigen Jahr habe vor allem das dritte Quartal mit einem realen Wachstum von einem Prozent positiv überrascht. Kumuliert sind die Umsätze im Einzelhandel von Jänner bis September nominell um 0,8 Prozent, real um 0,2 gestiegen. Konsumenten seien wieder bereit, größere Summen auszugeben, was auf ein gutes Weihnachtsgeschäft mit einem Plus von ein bis zwei Prozent hoffen lässt.

Noch kein Ende der Konsumflaute

Von einem Ende der Konsumflaute könne jedoch noch nicht die Rede sein, nivelliert Lemler, denn die positiven Margen "bewegen sich noch in einen sehr kleinem Bereich". Erst ab 2007 werde es im Handel wieder aufwärts gehen, erwartet Lemler.

Im Einzelhandel zeichne sich bereits ein leichter Aufwärtstrend ab. Die Umsatzrentabilität, also der Gewinn in Prozent des Umsatzes, ist im Einzelhandel von 0,5 Prozent im Jahr 2002 auf 1,2 Prozent für 2004 gestiegen.

Lederwarenhandel mit höchster Umsatzrentabilität

Im Branchenvergleich weist erstmals der Lederwarenhandel mit 3,5 Prozent die höchste Umsatzrentabilität auf, gefolgt vom Sportartikel- und dem Elektrohandel. Am unteren Ende des Branchenrankings findet sich der Uhren- und Schmuckhandel, der einen Verlust von 2,2 Prozent der Betriebsleistung hinnehmen muss. Rote Zahlen schreibt weiterhin auch der Schuhhandel. Die Ertragskraft der Großhandelsbetriebe ist mit 2,3 Prozent wie in den vergangenen Jahren am stärksten, wie eine Analyse der KMU Forschung Austria ergab.

Die Eigenkapitalquote habe sich im heimischen Handel in den vergangenen Jahren kontinuierlich verbessert und betrug 2004 durchschnittlich 21 Prozent. Damit wird der betriebswirtschaftliche Mindest- Richtwert von 20 Prozent knapp überschritten. Trotzdem seien noch 38 Prozent der Handelsunternehmen buchmäßig überschuldet. 45 Prozent der Betriebe bilanzieren in den roten Zahlen.

Schuldentilgung möglich

Erfreulich sei, so Lemler, dass der erzielte Cashflow von durchschnittlich 4,2 Prozent Schuldentilgung und Investitionen – diese liegen durchschnittlich bei 2,2 Prozent – erlaube.

Im Hinblick auf die in Österreich überwiegend klein strukturierte Handelslandschaft stellte Lemler erneut Forderungen an die Politik, Einnahmen-Ausgaben-Rechner steuerlich zu begünstigen, die Sechstelbegünstigung auch für steuerpflichtige Selbstständige vorzunehmen und den Handel auch bei Förderprogrammen zu berücksichtigen. (Bettina Pfluger, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23.11.2005)

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    Konsumenten geben wieder mehr Geld aus, der Handel hofft daher auf ein umsatzstarkes Weihnachtsgeschäft. Die Wirtschaftskammer erwartet ein Plus von ein bis zwei Prozent.

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