Pipeline-Projekt Nabucco wackelt

29. November 2005, 13:59
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Von der OMV und vier weiteren Partnern geplante 3.300 Kilometer lange Pipeline sorgt für Misstöne

Semmering – Die von der OMV und vier weiteren Partnern geplante Pipeline "Nabucco", über die Westeuropa ab dem nächsten Jahrzehnt zusätzlich mit Erdgas aus dem Mittleren und Nahen Osten versorgt werden soll, sorgt für Misstöne. Weil die Brüsseler Behörden langfristige Lieferverträge verbieten wollen, das Errichtungskonsortium aber Sicherheiten in Form von 15- bis 20-jährigen Abnahmeverträgen für die Finanzierung vorweisen muss, steht das Projekt auf der Kippe.

"2006 wird sich entscheiden, ob wir bauen oder nicht", sagte der Chef der OMV Gas GmbH, Werner Auli, bei der Jahrestagung des Verbands der Öffentlichen Wirtschaft am Semmering. "Nabucco" ist das größte Pipeline-Projekt der vergangenen Jahrzehnte. Die 3300 km lange Leitung, für die es auch EU-Zuschüsse geben soll, kostet rund 4,6 Mrd. Euro. Die Fertigstellung des ersten, 2000 km langen Teilstücks zwischen Ankara und dem Erdgas-Hub Baumgarten an der österreichisch-ungarischen Grenze ist für 2010 vorgesehen.

Abhängigkeit von Russland und Norwegen mildern

In der Folge soll die Pipeline in das iranisch-türkisch-georgische Grenzgebiet verlängert werden. Im Endausbau sollen rund 25 Mrd. m³ Erdgas nach Westeuropa fließen und damit die Abhängigkeit von russischem und norwegischem Gas gemildert werden.

Für knapp ein Drittel der Kapazität habe man bereits Partner an der Hand, heißt es bei der OMV, die mit 20 Prozent an Nabucco beteiligt ist. Sollte Brüssel langfristige Lieferverträge untersagen, würden sich die Finanzierungskosten extrem verteuern; ein wirtschaftlicher Betrieb sei dann nicht mehr möglich, sagte Auli. "Auch Mineralölkonzerne haben gewaltige Investitionen zu tragen, dennoch ist mir nicht bekannt, dass Autofahrer gezwungen werden, über längere Zeit bei einem bestimmten Konzern zu tanken", konterte der Chef der österreichischen Energie-Regulierungsbehörde, Walter Boltz. Durch Langfristverträge auf der Abnahmeseite werde der Markt abgeschottet. Das widerspreche den Liberalisierungsbestrebungen in Europa. (Günther Strobl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23.11.2005)

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    Die 3300 km lange Leitung, für die es auch EU-Zuschüsse geben soll, kostet rund 4,6 Milliarden Euro.

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