Gehrer bremst bei Lehrern

22. November 2005, 17:16
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Vorläufig wird es doch keine zusätzlichen Stützlehrer an den Schulen geben - Bildungsministerin Gehrer sieht den Bedarf gedeckt

Wien – Als eine der dringlichsten Aufgaben erkannten die Vertreter von Bund, Ländern und Gemeinden bei ihrer Einigung auf die Verwaltungsreform vor einer Woche die In^teg^ration von Kindern mit einer anderer Muttersprache als Deutsch in den Schulen. Hier sei "sofort etwas zu tun", hieß es. Die Landeshauptleute erhoben einen Bedarf von 500 bis 700 zusätzlichen Lehrern, um die Integration voranzutreiben.

Am Dienstag stieg jedoch Bildungsministerin Elisabeth Gehrer auf die Bremse. Sie will erst einmal evaluieren lassen, ob es überhaupt einen Mehrbedarf an so genannten Stützlehrern gibt. Derzeit gebe es 2400 Dienstposten für 18.000 Schüler, die eine entsprechende Betreuung benötigten. Das sei ohnedies ein sehr gutes Verhältnis, erklärte die Ministerin. Würden allerdings noch weitere Kinder mit entsprechenden Defiziten, etwa durch verstärkten Familienzuzug, nach Österreich kommen, dann müsse man reagieren. "Wenn es Notwendigkeiten gibt, wird auch das Finanzministerium nicht Nein sagen." Die von den Landeshauptleuten genannten Zahlen wolle sie nicht bestreiten, erst sei aber die Bedarfsfeststellung abzuwarten.

Die SPÖ zeigte sich über diesen Schachzug von Gehrer verärgert. In den Erläuterungen zum Schulpaket II stehe "unmissverständlich, dass der Bund zusätzlich 300 Lehrerstellen zur Verfügung stellt", stellte SPÖ-Bildungssprecher Erwin Niederwieser fest. Das Abschieben der Verantwortung auf die Länder sei "schlicht widerlich".

Die Grünen sehen Gehrer "wieder einmal auf einem ihrer Schönredetrips", wie es Bildungssprecher Dieter Brosz formulierte. Nachdem es kurzfristig so ausgesehen habe, als würde von der Regierung "zumindest bei der sprachlichen Integration Handlungsbedarf erkannt", sei jetzt wieder alles anders, und Gehrer akzeptiere widerspruchslos das "Njet" des Finanzministers. "Anstatt Verantwortung zu übernehmen und rasch zu handeln, setzt Gehrer wie üblich auf Verzögerungstaktik." Die im Budget 2006 vorgesehene Kürzung von 1000 Pflichtschullehrerposten solle "beinhart durchgezogen werden".

"Können tatsächlich erst französische Verhältnisse der Vernunft zum Durchbruch verhelfen?", fragt der Vorsitzende des Dachverbands der Pflichtschul-Elternvereine, Kurt Nekula. Offenbar seien "gesellschaftliche Loser ein institutionalisierter Teil des Budgetkonzepts". (DER STANDARD, Michael Völker, Printausgabe, 23.11.2005)

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