FMA will höhere Limits für privates Hedge-Fonds-Engagement

18. Juli 2006, 16:24
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Schützenswerte Retail-Anleger - Finanzmarktaufsicht gegen Verteufelung und "aberwitzige Überregulierung" von Hedge-Fonds - Internationales Vorgehen

Wien - Die österreichische Finanzmarktaufsicht (FMA) wendet sich gegen eine allgemeine Verteufelung so genannter Hedge-Fonds - Investmentfonds, die vor allem dank Investments in derivate Anlageformen überdurchschnittlich hohe Erträge, aber auch spektakuläre Verluste einfahren können. Um private Einzelanleger von Hedge Fonds tendenziell fernzuhalten, wird ein höheres Mindest-Limit von 50.000 Euro für Retail-Kunden empfohlen.

FMA-Vorstand Heinrich Traumüller plädierte heute, Dienstag, im Klub der Wirtschaftspublizisten für entsprechende Regulierungen auf möglichst internationalem Niveau, ohne dass es dabei zu "aberwitzigen Überregulierungen" kommen dürfe. Sinnvoll sei ein weltweit einheitliches Vorgehen, sonst würden die Fonds in nichtregulierte Offshore-Märkte ausweichen. Dabei sollte deutlich zwischen den beiden Zielgruppen Retail-Kunden und institutionellen Investoren unterschieden werden. Die Regelung des Retail-Vertriebs wäre zwar auch national möglich, hier sei aber zumindest ein europaweit abgestimmtes Verhalten wünschenswert.

Besonders schützenswerte Kleinanleger

Private Kleinanleger seien - auf Grund ihrer schlechteren Informationsmöglichkeiten im Vergleich zu professionellen Großinvestoren - besonders schützenswert. "In der Regel kann nicht davon ausgegangenen werden, dass Retail-Investoren die komplexen Risiken von Hedge-Fonds verstehen. Hedge-Fonds eignen sich daher nur bedingt als Anlage für Retail-Investoren bzw. ist der Anleger aus Sicht der Aufsichtsbehörde schützenswert und muss über die Risiken eingehend aufgeklärt werden", heißt es in einer Unterlage zu einer von der FMA erstellten Studie über die Bedeutung von Hedge-Fonds in Österreich.

Es sei keineswegs erwiesen, dass Hedge-Fonds in der Vergangenheit das Finanzsystem in ernsthafte Krisen gebracht hätten, hält die FMA fest. Vielmehr würden sie "durch die Bereitstellung von Liquidität und die aktive Übernahme von Risiken zu einer höheren Effizienz der Märkte" beitragen. "Ein Hedge-Fonds erkennt die Situation und holt schnell den ökonomisch gerechtfertigten Preis heraus", so Traumüller. Zu wenig beachtet würden dabei auch positive Aspekte der Fonds wie die aktive Übernahme von Risiken. Versicherer und Banken könnten "heilfroh sein, dass jemand diese Risiken übernimmt".(APA)

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