Wenn die Eier kochen

27. Dezember 2005, 16:25
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Bei welchen Sendungen man am Montag hängen bleibt, weil man sonst auf allen Kanälen nur mehr Krimikost vorgesetzt bekommt

Gestern zufällig irgendwo auf einem Regionalsender des Dritten Deutschen Fernsehens gesehen: Roberto Blanco kocht in einem knallroten Sakko eine original kubanische Eierspeise.

Die besteht im Wesentlichen aus einer normalen Eierspeise, in die ein kräftiger Schluck kubanischer Rum eingerührt wird. Was jetzt einfacher klingt, als man es sich dann während der folgenden 15 Minuten vorstellen mochte. So lange brauchte Roberto Blanco im Beisein des österreichischen Kochexports Johann Lafer, bis die Eier gestockt waren.

Ein faszinierendes Experiment im Zeichen des totalen Zeitstillstands, das in seiner gesellschaftlichen Sprengkraft nur dadurch abgemildert werden konnte, dass Blanco die Zeit nützte, um kubanische Gassenhauer zu trällern, während Lafer einen österreichischen Apfelstrudel in Angriff nahm, zu dem mir nur einfällt, dass ein pfiffiges Rezept wohl anders lauten muss.

Möglicherweise bleibt man bei solchen Sendungen auch nur hängen, weil man sonst am Montag auf allen Kanälen nur mehr US-amerikanische Krimikost vorgesetzt bekommt, die hauptsächlich in der Prosektur zubereitet wird. So wie für kubanische Eierspeise gilt: Das muss man nicht jede Woche haben.

Anschließend war der Abend sowieso nicht mehr zu retten. Deshalb erfasste mich bei "Treffpunkt Kultur" trotz gleich bleibend lieblosem Niveau bezüglich der Moderation und Gestaltung eine Form von Altersmilde, die an anderen Tagen nur durch eine Panikattacke hätte abgewehrt werden können. (schach/DER STANDARD, Printausgabe, 23.11.2005)

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