Armut und Gewalt steigen drastisch an

25. November 2005, 12:34
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Frauen- und Mädchenberatungsstellen schlagen Alarm: Ressourcenenge beschränkt Handlungsspielraum

Die Zunahme von nicht existenzsichernder Arbeit, die Vergrößerung der Lohnschere zwischen den Geschlechtern, zu niedrige Richtsätze in der Sozialhilfe, Pensionen, die unter der Armutsgrenze liegen, Verschärfungen im Arbeitslosenversicherungsgesetz sowie steigende Lebenshaltungskosten sind nur einige Faktoren, die sich in den letzten Jahren enorm zugespitzt haben und speziell für Frauen dramatische Auswirkungen aufweisen.

Diese alarmierenden Fakten nahmen 40 Vertreterinnen von Frauen- und Mädchenberatungsstellen sowie Notrufen zum Anlass, mit Ministerin Maria Rauch-Kallat (ÖVP) die aktuelle Situation von Frauen, welche die frauenspezifischen Einrichtungen in Anspruch nehmen, zu diskutieren.

Die steigende Tendenz, dass viele Frauen - trotz Arbeit - die Existenzgrundlage für sich und ihre Kinder nicht mehr sichern können, sei dramatisch: Fragen der Überschuldung, die Zahlungsunfähigkeit bei Mieten sowie Gas und Strom, die Unmöglichkeit, Kleidung oder Nahrungsmittel einzukaufen, würden in den Beratungen immer häufiger Thema. Armut betreffe in erster Linie Alleinerzieherinnen, aber auch langzeitarbeitslose Frauen oder jene, die Sozialhilfe beziehen, sowie Migrantinnen, Mehrkindfamilien und viele Pensionistinnen. Das führe dazu, dass immer mehr Hilfsorganisationen zur finanziellen Unterstützung aufgesucht werden.

Strukturelle und finanzielle Grenzen

Ein weiterer Aspekt, der seit Jahren vermehrt im Beratungsalltag auftritt, betrifft die zunehmende Gewalt gegen Frauen und Kinder im sozialen Nahraum. Gewalt und Armut, so die Vertreterinnen der Beratungsstellen, führen nicht nur zu sozialer Ausgrenzung, sondern ebenso zu schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen. Gleichzeitig bringe das steigende Ausmaß an Anfragen die Beratungseinrichtungen für Mädchen und Frauen ebenso in eine prekäre Situation, da die finanziellen und personellen Ressourcen nicht mehr ausreichen würden. "Wir können informieren und beraten sowie die gesellschaftlichen Zusammenhänge thematisieren, die strukturelle Beseitigung von Armut und Gewalt gegen Frauen sowie die finanzielle Absicherung der Beratungseinrichtungen liegt jedoch in der Verantwortung der dafür zuständigen PolitikerInnen", lautete das Resümee des Gesprächs mit Maria Rauch-Kallat, an welchem unter anderem auch Herbert Buchinger, Vorstand des Arbeitsmarktservices Österreich, teilnahm. (red)

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