Hochwasserrisiko auf Mausklick - Gefahrenabschätzung im Internet

1. Dezember 2005, 11:16
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Digitale Gefahren-Landkarte von Landwirtschaftsministerium und Versicherungsverband für 30-, 100- und 200-jährliche Hochwasser

Ab März kommenden Jahres kann man im Internet eine Abschätzung des Überschwemmungs-Risikos für seine Adresse in Österreich abrufen. Das Projekt "HORA - Hochwasserzonierung Austria", das von Landwirtschaftsministerium und Versicherungsverband Österreich (VVO) nach den schweren Hochwasserkatastrophen in Österreich 2002 und 2005 ins Leben gerufen und am Dienstag in Wien präsentiert wurde, soll das Risikobewusstsein der Bevölkerung schärfen.

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Über die Internet-Adressen von Ministerium (www.lebensministerium.at) und Versicherungsverband (www.vvo.at) wird man bei der digitalen Gefahren-Landkarte einfach seine Adresse eingeben können und erhält je nach gewünschter Auflösung ein Luftbild bzw. einen Kartenausschnitt (Österreich-Karte 1:50.000) mit der markierten Adresse. Markiert sind dabei die Zonen mit dem Risiko für ein 30-, 100- und 200-jährliches Hochwasser. Allerdings gibt es dabei noch Zoombeschränkungen, und auch Grundstücksgrenzen können nicht abgelesen werden.

"Nur wenn ich von diesen Gefahren weiß, kann ich Maßnahmen dagegen treffen."

Wie der für den Bereich Wasser im Landwirtschaftsministerium zuständige Sektionschef Wolfgang Stalzer betonte, ist die Bewusstseinsbildung ein wesentlicher Punkt für die Bewältigung von Naturgefahren. "Nur wenn ich von diesen Gefahren weiß, kann ich Maßnahmen dagegen treffen." Dabei müsse auch bewusst gemacht werden, dass Schutzmaßnahmen nur für eine bestimmte statistische Wiederkehr von Überschwemmungen ausgelegt sind, in der Regel 100-jährliche Hochwasser, und es daher ein Restrisiko gibt. Außerdem blieben Überschwemmungen im Schnitt höchstens sieben bis acht Jahre in Erinnerung, danach werde vielfach wieder in hochwassergefährdeten Gebieten investiert. HORA soll deshalb auch "das Gedächtnis verlängern, dass Naturgefahren auf Dauer erhalten bleiben", sagte Stalzer.

"Gefahren transparent machen"

Das Hauptinteresse der Versicherungen an dem zwei Mio. Euro teuren Projekt HORA liegt laut Othmar Ederer, Generaldirektor der Grazer Wechselseitigen und VVO-Präsidiumsmitglied, darin, "Gefahren transparent zu machen, um Möglichkeiten für entsprechende Präventionsmaßnahmen zu setzen", etwa eine entsprechende Gestaltung des Kellers von Eigenheimen in hochwassergefährdeten Gebieten. Der gesamtwirtschaftliche Schaden von drei Mrd. Euro und der versicherte Schaden von 400 Mio. Euro des Jahrhundert-Hochwassers von 2002 hätten gezeigt, dass neue Initiativen im Bereich schadensmindernder Maßnahmen durch Eigenvorsorge sowie im vorbeugenden Hochwasserschutz notwendig seien.

Ederer ist überzeugt, dass sich das langfristig auf Bebauungspläne, Schutzmaßnahmen, Bauvorschriften und auch die Versicherbarkeit niederschlagen wird. Denn das verbesserte Erkennen und Bewerten von Gefahrenpotenzialen sei eine Grundvoraussetzung für Versicherbarkeit. Wie Ederer weiter betonte, sei man "langsam dabei, die bisher nicht versicherbaren Naturkatastrophen versicherbar zu machen". Eine rein privatwirtschaftliche Lösung werde es dabei aber nicht geben. "Solidarische Lösungen", wie etwa die Versicherungspflicht bei der Kfz-Haftpflichtversicherung, seien notwendig, wie Beispiele aus anderen europäischen Ländern zeigen würden. Außerdem müsste es dabei zu einer Bündelung von Naturgefahren für die Versicherung kommen.

Ähnliche Systeme wie HORA soll es in Zukunft auch für andere Naturgefahr-Risiken geben, etwa für Erdbeben oder Lawinen. Auch eine Verschneidung von HORA mit den Gefahrenzonenplänen der Gemeinden sei vorstellbar, was eine parzellenscharfe Abfrage ermöglichen würde.(APA)

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