Weihnachtsverbrüderung 1914: Letzter britischer Veteran gestorben

29. November 2005, 16:04
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Schotte Anderson starb mit 109 Jahren - Britische und deutsche Soldaten teilten Nahrung und Zigaretten und sangen Weihnachtslieder

London - Der vermutlich letzte britische Kriegsveteran, der die legendäre Weihnachtsverbrüderung an der französischen Westfront 1914 miterlebt hat, ist tot. Alfred Anderson, mit 109 Jahren ältester Schotte, starb in der Nacht zum Montag in einem Pflegeheim im schottischen Angus, wie britische Medien am Dienstag berichteten.

Der britische Thronfolger Prinz Charles würdigte Anderson, den er mehrmals getroffen hatte, als tapferen Soldaten, der "wie die vielen anderen nie vergessen werden darf". Den Berichten zufolge leben weltweit noch acht Veteranen, die den nicht erlaubten Waffenstillstand an der Front miterlebt haben.

Fußballspiele auf dem Schlachtfeld

Anderson war gerade erst 18 Jahre alt und seit vier Monaten im Einsatz, als am Morgen des 25. Dezember 1914 die Waffen schwiegen und die verfeindeten Soldaten aus ihren Schützengräben kletterten. Sie schüttelten sich die Hände, sangen Weihnachtslieder und teilten Zigaretten. Als legendär gelten Fußballspiele mitten auf dem Schlachtfeld - mit Dosen als Ballersatz und Helmen als Torpfosten. Der Waffenstillstand verbreitete sich - mehr oder weniger stark - an der über 700 Kilometer langen Frontlinie, an der mehr als eine Million Soldaten lagerten. Die Weihnachtsverbrüderung ist auch Thema des Spielfilms "Merry Christmas", der am Freitag in die österreichischen Kinos kommt.

"Alles, was ich zwei Monate lang gehört hatte in den Schützengräben, war das Rauschen, Krachen und Jaulen der Kugeln, Maschinengewehrfeuer und entfernte deutsche Rufe", hatte Anderson vor einem Jahr bei einer der letzten Aufzeichnungen seiner Erinnerungen erzählt. "Aber dann war da diese Totenstille an diesem Morgen, so weit man blicken konnte. Wir riefen: "Frohe Weihnachten", obwohl sich natürlich niemand froh fühlte (...) Die Stille endete dann am frühen Nachmittag und das Töten fing wieder an." Anderson hinterlässt vier Kinder, zehn Enkel, 18 Großenkel und zwei Ur-Großenkel. (APA/dpa)

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    25. Dezember 1914: Deutsche und britische Soldaten klettern aus den Schützengräben und tauschen Zigaretten und Nahrungsmittel aus.

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    Alfred Anderson war der letzte Brite, der bei der Weihnachtsverbrüderung an der französischen Westfront 1914 dabei war.

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