Leidenschaften vereinen

6. Juni 2006, 11:11
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Ein Tanz auf dem Bodenxylofon: Schräge Rhythmen im Dschungel - Wie eine Künstlerin mit einem riesigen Xylofon Musik macht

Wien - Auf der Bühne eine Frau, die sich auf einem riesigen Xylofon zu mehrstimmigen Rhythmen bewegt, welche sie durch ihren Tanz selbst erzeugt. "Ich wollte meine beiden großen Leidenschaften, Tanzen und Musizieren, vereinen. Doch dazu musste ich ein völlig neues Instrument entwickeln", berichtet die Schweizer Künstlerin Ania Losinger (35) nach ihrer Österreich-Premiere am 15. November im Dschungel Wien.

Ton nicht erdrücken

Den 400 Kilo schweren, aus 24 Klangstäben bestehenden Klangboden taufte sie Xala, nach dem archaischen baskischen Instrument Txalaparta. "Wir mussten die Klangstäbe so kreieren, dass der entstehende Ton nicht durch mein Gewicht erdrückt wird. Da wir kein Vorbild hatten, dauerte die Forschungsarbeit zwei Jahre", schildert Losinger.

Seit sechs Jahren auf der Bühne

Seit mittlerweile sechs Jahren steht die Künstlerin mit ihrem Xala auf der Bühne. Anfangs nur in der Schweiz bekannt, performt sie nun auch in Deutschland, Belgien, New York und Österreich. "Als ich 1999 das erste Mal aufgetreten bin, konnte ich noch kaum etwas spielen und erzeugte nur mit den Schuhen die Rhythmen." Inzwischen ist ihr Repertoire auf sehr komplexe, vielstimmige Stücke angewachsen. Sowohl Hände, Kastagnetten, diverse Formen von Holzstäben, ihre Stimme und ein Sessel kommen zum Einsatz. Schließt man als Gast die Augen, hat man das Gefühl, die Melodien würden von mehreren Künstlern gespielt.

Um instrumental fit zu bleiben, trainiert die Künstlerin mindestens drei Stunden täglich, vor einem Konzert bis zu fünf. "Wenn ich ein neues Programm einstudiere, können es aber auch mal zwölf werden."

Losinger bietet mit ihrem Xala auch Tanz- und Musikworkshops an Universitäten und Schulen an. Für sie wäre es durchaus vorstellbar, dass ein Xala in Zukunft fixer Bestandteil des Musikunterrichts ist.

Als Frau, die ihren Lebenstraum verwirklicht hat, rät sie jungen Künstlern, sich nicht von Existenzängsten leiten zu lassen. "Du kannst noch so gut sein, du kannst brillant sein, es ist jedes Mal ein Risiko, auf der Bühne zu stehen, denn in diesem Moment kann alles passieren. Damit muss man leben können, sonst macht es keinen Sinn." (DER STANDARD, juwu, chl, Printausgabe, 22.11.2005)

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