Am Verteilerkreis geht es rund

27. November 2005, 11:35
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Austria-Manager Kraetschmer mahnt zur Besonnenheit aller Par­teien - Oppositioneller Denk bis Don­nerstag auf Tauchstation

Wien - Das rege Treiben und manches Handeln im Fußball-Lager der Wiener Austria hat seit dem Engagement von Mäzen Frank Stronach im August 1998 immer wieder für Diskussionsstoff gesorgt. Doch der am Montag angekündigte Rückzug des Austro-Kanadiers aus dem Verein, der vertraglich frühestens im Juni 2007 erfolgen kann, stellt alles Bisherige in den Schatten, setzt unter Befürwortern und Gegnern der Kooperation mit der Magna-Tochter SMI (Sport Management International) gleichermaßen Emotionen frei.

Pelinka: "Es gibt derzeit keine Alternative"

Die Fan-Foren sind überlastet und die Meinungen bis in die höchsten Führungsetagen des Klubs unterschiedlich. Zu den Vorsichtigen zählt z.B. Peter Pelinka, einer von zwei Austria-Vize-Präsidenten. "Ich fürchte, dass die Summe, die Stronach eingesetzt hat, also zwischen 25 bis 28 Mio. Euro pro Jahr, nicht ansatzweise adäquat ersetzt werden kann. Es gibt derzeit keine Alternative, aber ich lasse mich gerne eines Besseren belehren", sagte der Chefredakteur der Info-Illustrierten "News".

Mautner-Markhof hoffnungsfroh

Durchaus hoffnungsfroh sieht hingegen Manfred Mautner-Markhof, der von dem Stronach-Schritt ebenso überrascht war, in die violette Zukunft. "Was uns nach dem Tod Joschi Walters gelungen ist, nämlich den Fortbestand der Wiener Austria zu sichern, das werden wir auch in den eineinhalb Jahren schaffen, sollte die Gruppe um das Kuratoriumsmitglied Helmut Denk nicht das nötige Geld auftreiben", so der Vorsitzende des Klub-Verwaltungsrates.

Hochspannung vor Generalversammlung

Der Wiener Geschäftsmann Denk, Chef der Logistik-Firma DeKo und Anführer einer Gruppe von oppositionellen Alt-Austrianern, wird am Donnerstag im Rahmen der mit Spannung erwarteten Generalversammlung der Austria im Rathaus-Keller einen fristgerecht eingereichten "Misstrauensantrag" gegen das derzeitige Präsidium zur Abstimmung bringen. Darüber hinaus soll gleich eine Alternative zu den Stronach-Millionen präsentiert werden.

Kuratoriumsmitglied Denk ist laut Kraetschmer schon seit vielen Jahren mit der Austria verbunden. "Er hat sogar aktiv gespielt, ist unser Logen- und VIP-Kunde und bemüht, Spieler zu bringen und dem Verein zu helfen." Vorerst befindet sich Denk, wie es Klubpräsident Peter Langer formulierte, auf Tauchstation - "bis Donnerstag 18 Uhr".

Kraetschmer: "Fakten müssen auf den Tisch"

"Es heißt, die Gruppe kann Sponsoren, die 15 bis 20 Millionen pro Jahr bereitstellen, auftreiben. Jetzt müssen die Fakten auf den Tisch und die Leute beweisen, dass sie das bessere, ein seriöses und auch langfristig gesichertes Modell haben", erklärte Austria-Manager Markus Kraetschmer und fügte unmissverständlich hinzu: "Solange ich in der wirtschaftlichen Verantwortung stehe, wird es aber kein tönernes Gebäude, in dem die Austria aufgerieben wird, und kein Schicksal a la VSE St. Pölten geben".

Der Polster-Nachfolger appellierte an alle Austrianer, sich zu bemühen, dass der Verein auf einer wirtschaftlichen Basis weiter bestehen kann. "Es gehört aber zur Streitkultur, dass man über Szenarien diskutiert. Wir müssen ruhig und sachlich bleiben, konzentriert vorgehen", mahnt der bald 34-Jährige zur Besonnenheit aller Parteien im violetten Sinne. Denn nun gehe es vorerst nicht um Personen und Gruppen, sondern einzig und alleine um die Austria.

Daher möchte er zum jetzigen Zeitpunkt auch nicht über die mögliche Rückkehr der Austria-Ikonen Herbert Prohaska oder Toni Polster reden. Ebenso wies Kraetschmer Spekulationen zurück, wonach Stronach einen Rückzieher vom Rückzug machen könnte. "Frank meinte es sehr ernst, er hat nicht aus der Hüfte geschossen", sagt der Wiener, der am Montag mit Stronach persönlich gesprochen hatte. Demnach sei auch die Ansicht falsch, der Milliardär müsse der Austria nach der Trennung nur "26 linke Verteidiger" überlassen.

"Klarheit schaffen und an einem Strang ziehen!"

Dazu Kraetschmer: "Frank hat mir abermals versichert, dass er nur dann den Betriebsführungsvertrag vorzeitig löst, wenn die Austria wirtschaftlich und sportlich weiter lebensfähig ist und er dem Verein einen ordentlichen und konkurrenzfähigen Kader hinterlassen wird." Das oberste interne Kraetschmer-Motto lautet: "Klarheit schaffen und an einem Strang ziehen!" Das gilt für die entzweiten Fans ("möglichst schnell alle Gräben zuschütten") ebenso wie für die Spieler, die am Sonntag den GAK zu Gast haben.

Stöger: "Er hat klipp und klar erklärt, dass alle Verträge weiterlaufen"

Sportdirektor Peter Stöger informierte seinen Kader über die neue Situation. "Er hat klipp und klar erklärt, dass sich kein Spieler persönliche Sogen machen muss und dass alle Verträge normal weiterlaufen." Erst nach den letzten drei Spielen des Jahres werde man sich zusammensetzen, analysieren und über etwaige sportliche Personalia entscheiden. "Ob die bald fälligen Optionen für Didulica und Rushfeldt gezogen werden, muss freilich schon im Dezember klar sein", so Kraetschmer. (APA)

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