Ditz legt Funktion zurück

29. November 2005, 14:10
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Früherer Wirtschaftsminister verlässt steirischen Landesenergieversorger mit Ende November - "Vertrauen fehlt"

Graz - In einer außerordentlichen Hauptversammlung am 2. Dezember soll der Nachfolger von EStAG-Aufsichtsratspräsident Johannes Ditz bestellt werden, verbunden auch mit einer eventuellen Neubesetzung des Aufsichtsrates. Es sei der richtige Zeitpunkt, die EStAG sei in der Wettbewerbsfähigkeit gestärkt, so Ditz am Dienstag in Graz.

Keine Rückendeckung

In der Steiermark habe am 2. Oktober ein Machtwechsel zur SPÖ statt gefunden, so der von Ex-LH Waltraud Klasnic vor zwei Jahren geholte Manager. Da Strukturen und Strategie für die Zukunft gestaltet werden müssten, bedürfe es des "vollen Vertrauens" des Eigentümervertreters (SPÖ-LH Franz Voves, Anm.) und "aus meiner Sicht habe ich das nicht", sagte Ditz.

Er werde sowohl sein Mandat in der EStAG als auch in der Stromtochter SSG mit Ende November zurücklegen, sagte der früherer ÖVP-Wirtschaftsminister, der nach dem Aufbrechen des EStAG-Skandals vor zwei Jahren erst als Aufsichtsratschef und dann für sechs Monate als Interimsvorstand fungiert hatte. Er gehe ohne jede negative Gefühlslage, so Ditz, auch wenn ihm das Unternehmen in den zwei Jahren "schon ans Herz gewachsen" sei. Er werde sich in Zukunft um seine Unternehmensberatungsfirma kümmern, es gebe aber auch einige Gespräche über eine "Neuorientierung", sagte der Ex-Minister. Die Frage nach einer Karriere bei der Verbundgesellschaft stelle sich nicht, hieß es.

Eigentümervertreter LH Voves meinte gegenüber der APA, er habe schon vor einiger Zeit Ditz über Schachner-Blazizek mit zu Gesprächen mit der EdF eingeladen. Ditz sei anscheinend nach einem Gespräch mit LHStv. Hermann Schützenhöfer zu dem Schluss gekommen, diesen Schritt zu setzen. Voves meinte, er habe mit Schützenhöfer am Dienstag Kontakt zum Festlegen des weiteren Vorgehens aufgenommen. Am kommenden Montag werde man in der Sitzung der Landesregierung über die neue Zusammensetzung des Aufsichtsrates beraten.

In Richtung Voves - als Landeshauptmann Eigentümervertreter des 75-Prozent-Eigentümers Land Steiermark - meinte Ditz: "Ich kenne weder den neuen Eigentümer, noch glaube ich sein absolutes Vertrauen zu besitzen. Ich habe den Medien entnommen, dass dieser gesagt hat, es seien neue Loyalitätsachsen herzustellen". Der logische Nachfolger sei sein Stellvertreter Peter Schachner-Blazizek, der das Unternehmen gut kenne und mit dem er gut zusammengearbeitet habe, die EStAG wieder auf Kurs zu bringen. Dieser müsse nun gemeinsam mit dem Eigentümer die künftige Strategie der EStAG ausrichten. "Die EStAG hat viel Kapital, das Geld verzinst im Kastl zu lassen, kann's nicht sein", sagte Ditz. Der Miteigentümer Electricite de France (EdF), der an der EStAG 25 Prozent plus eine Aktie hält, überlegt seit einiger Zeit, die Beteiligung abzustoßen. Das Land Steiermark hat in einem Syndikatsvertrag ein Vorkaufsrecht. Starkes Interesse an der EStAG zeigt der Verbund.

Neue Unternehmenskultur geschaffen

Zur Zukunft des Unternehmens meinte Ditz, es werde gut voran gehen. Man habe eine neue Unternehmenskultur geschaffen, worauf er stolz sei. Auch der Zweier-Vorstand aus Karl Franz Maier und Franz Kailbauer arbeite gut. Ditz sprach sich aber gegen einen Landesbonus für private Stromkunden von der Eigentümerseite Land Steiermark aus: "Das packt das Problem in der falschen Richtung, denn dann müsste es auch Treibstoff- oder Gas-Boni geben". Man könne einem Energie unternehmen von Eigentümerseite her nicht untersagen, keine Preiserhöhungen durch zu führen. (APA)

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    Johannes Ditz räumt seinen Vorsitz beim steirischen Landesenergieversorger.

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