Kiew: Nostalgie und Signale der Versöhnung

10. Dezember 2005, 18:26
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Feiern zum ersten Jahrestag der "orangefarbenen Revolution"

Kiew/Moskau - Genau ein Jahr nach dem Beginn der Massenproteste in der Ukraine versammelten sich am Dienstag wieder Tausende im Zentrum der Hauptstadt Kiew. Präsident Viktor Juschtschenko hatte den Tag kurz zuvor zum staatlichen Tag der Freiheit erhoben. Beschwingt von den alten Revolutionshymnen und Auftritten patriotischer Sänger feierten die Menschen in nostalgischer Erinnerung das orange Fest - mit allen vorjährigen Attributen bis hin zu Zeltstädten mit Feldküchen.

Die inzwischen zerstrittenen Galionsfiguren der Revolution, Juschtschenko und die von ihm als Regierungschefin entlassene Julia Timoschenko, begaben sich auf demonstrativen Versöhnungskurs und traten erstmals wieder gemeinsam auf. Das Kalkül ist simpel: Seit der Entzweiung sind die Popularitätswerte der beiden katastrophal gesunken, während ihr einstiger Erzgegner Viktor Janukowitsch wieder mehr Sympathien gewinnt und mit seiner Partei Aussicht auf Platz drei oder zwei bei den Parlamentswahlen im März 2006 hat.

Am Jahrestag müsse man "allen Kleinkram beiseite werfen und sich um der Zukunft der Ukraine willen vereinigen", schickte Juschtschenko dem Feiertag voraus. Schon Ende der Vorwoche wurde bekannt, dass Juschtschenkos Partei "Unsere Ukraine" die Verhandlungen mit Timoschenkos Vaterlandspartei über eine gemeinsame Kandidatur bei den Parlamentswahlen aktiviert hat. Positive Signale kamen auch von der Gegenseite. (Eduard Steiner/DER STANDARD, Printausgabe, 23.11.2003)

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