Familie, sehr schwer!

21. November 2005, 20:46
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Shakespeares Textgerüst zu "Romeo und Julia" umkleidet der der Regisseur Steffen Höld mit eigenen, modernen, Formulierungen

Ein Laufsteg in der Form eines liegenden Kreuzes signalisiert Familiendünkel und Todesnähe. Steffen Hölds konturierte Bearbeitung von Romeo und Julia extrahiert aus Shakespeares Tragödie die Gewalt- und Todesbereitschaft einer Jugend, die einerseits den Familienhass weiterträgt, sich andrerseits von der Elterngeneration vehement absetzt. Shakespeares Textgerüst umkleidet der der Regisseur mit eigenen, modernen, Formulierungen. Was hier gelingt: Komik stellt für das Publikum den Abstand zur Brutalität der Auseinandersetzung her. Unübersehbar pflanzt sich die Gewalt der Eltern in den Kindern fort. Aus diesem Spiel steigen Julia und Romeo - herb sie (Beatrice Boca), etwas dandyhaft er (Matthias Lier) - aus und schaffen sich ihre eigene Welt, der sie mit bestürzender Todessehnsucht anhängen.

Höld malt grelle Bilder mit deutlichen Umrissen, aber inmitten all der brüllenden Macht-Schau auch intime, ruhige Momente und zeigt deutlich, wo die Tragödie ihre Wendepunkte hätte. Eine starke Inszenierung - für alle ab zwölf Jahren! (frak/DER STANDARD, Printausgabe, 22.11.2005)

Next Liberty
Kaiser Josef Platz 10
Graz
Karten: 0316/8000
19:30 Uhr
  • Zu Hause bei den Capulets bleibt der Teenager Julia (Beatrice Boca) unverstanden.
    foto: nex liberty

    Zu Hause bei den Capulets bleibt der Teenager Julia (Beatrice Boca) unverstanden.

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