Immer weniger Steuern auf steigende Vermögen

29. November 2005, 12:47
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Armutskonferenz für stärkere Progression

Wien - Das oberste, also reichste Prozent der Bevölkerung besitzt 34 Prozent des Gesamtvermögens, die obersten zehn Prozent sogar zwei Drittel des Gesamtvermögens in Österreich. Auf dieses Ergebnis des im aktuellen Sozialbericht enthaltenen Reichtumsberichtes hat die Armutskonferenz aufmerksam gemacht.

Die Reallöhne und die realen Gehälter pro Kopf stiegen zwischen den Jahren 1980 und 2003 langsamer als die gesamtwirtschaftliche Produktivität. Bei den Niedrigsteinkommen gibt es sogar Reallohnverluste. Die Folge: Auf immer mehr Vermögen gibt es immer weniger Steuern, aber auf den sinkenden Löhne lasten im Verhältnis immer mehr Abgaben und immer höhere indirekte Steuern. Die geringen Einkommen werden voll von den indirekten Steuern getroffen. Das unterste Einkommensdrittel wird durch Massensteuern doppelt so stark belastet wie das oberste.

466 Euro mehr

Konkret zahlen Österreichs Haushalte seit dem Jahr 2000 um durchschnittlich 466 Euro mehr Abgaben als davor, kritisierte die Armutskonferenz am Montag in einer Aussendung. Demnach kommen knapp 42 Prozent der Steuereinnahmen aus der Umsatz- und den Verbrauchssteuern, 30 Prozent aus der Lohnsteuer und nur 16 Prozent des Steueraufkommens entstehen aus der Einkommens-, Körperschafts- und Kapitalertragssteuer.

"Wir haben zwar eine progressive Lohn- und Einkommenssteuer, sie hat aber nur einen relativ niedrigen Anteil am gesamten Steueraufkommen. Ein progressiveres Steuersystem und ein Steuersystem, in dem die direkten Steuern einen höheren Stellenwert einnehmen, ist eine notwendige Bedingung für ein finanziell nachhaltiges Sozialsystem, das Armut vermeidet", meint das Netzwerk gegen Armut und soziale Ausgrenzung. (red, APA, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22.11.2005)

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