Grazer SPÖ wird zur Baustelle

27. November 2005, 20:12
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Nach Wahlsieg im Land jetzt Konflikt um Führung der Stadtpartei

Graz - Es war nur eine Frage der Zeit: Seit dem Verlust der Mehrheit und dem Abgang des ehemaligen SPÖ-Bürgermeisters Alfred Stingl kriselt's in der Grazer SPÖ. Die Partei entwickelte sich in den letzten Jahren zusehends zu einer gefährliche Baustelle der Landes-SPÖ, die nach den letzten Oktoberwahlen die Nummer eins im Bundesland wurde und dieses Niveau halten will.

Die Führungsfrage in Graz ist aber nach wie vor virulent. Nicht am Papier. Walter Ferk hatte sich vor zwei Jahren mit Ach und Weh und der Unterstützung der Gewerkschaft als Parteiobmann durchgesetzt. Er bekleidet nun das Amt des Vizebürgermeisters. Im Hintergrund aber schwelt ein Konflikt zwischen den Pragmatikern und den eher links Orientierten. Wobei die Grenzen zunehmend verschwimmen und eher persönliche Reibereien hinzukommen. Unbill ahnend wollte Ferk sich bereits jetzt beim Stadtparteitag im Jänner als Spitzenkandidat für die Gemeinderatswahl 2008 küren lassen. In der Partei provozierte dies aber Gegenbewegungen. Als erste hat die Parteijugend aufgezeigt: "Die Erneuerung schaffen - aber wie mit Walter Ferk?", schickten die Sozialistische Jugend und die kritischen Mittelschüler ein Fax in die Redaktionen. Ferk habe unklare Positionen und bei der Parteireform versagt. Die Jungen verlangen seinen Rücktritt.

Ferks Gegenspieler auf Regierungsebene ist Finanzstadtrat Wolfgang Riedler, eine Zukunftshoffnung der SPÖ und Favorit des erfolgreichen SPÖ-Landesparteichefs Franz Voves. Ferk selbst sieht keinen Handlungsbedarf: "Es gibt kein Match." Klubchef Karlheinz Herper verlangt für den Parteitag dennoch klare Entscheidungen. Herper zum STANDARD: "Man kann dem Treiben nicht mehr zuschauen. Die Leute fragen sich schon, ob wir ganz dicht sind, dass wir uns nach dem Wahlsieg im Land solche internen Konflikte leisten." (mue/DER STANDARD, Printausgabe, 22.11.2005)

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