Rückblick: Einstieg mit fettem Scheck

22. November 2005, 18:39
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Kritik trotz Millionen-Investitionen

Wien - - Hoch über Wien hatte der damalige Austria-Präsident Rudolf Streicher das Interesse von Frank Stronach für den Fußball geweckt. Von einer Geschäftsreise aus Russland kommend, überflogen Streicher und Stronach am 22. April 1998 das Wiener Happel-Stadion, in dem Österreich gerade gegen die USA spielte. In der zweiten Spielhälfte saß Stronach schon in der Arena und erlebte die 0:3-Schlappe mit.

Umworben wurde daraufhin der Heimkehrer mit dem Milliardenvermögen, der nur wenige Monate später bei der Austria landete. Mit einem Einstandsgeschenk über 10 Millionen Schilling (726.728 Euro) stellte er sich ein und setzte dem Verein Ziele, die in Fußball-Österreich bisher niemand auszusprechen wagte.

"Wenn die Struktur stimmt, will ich sehr viel investieren und in einigen Jahren den Europacup holen", hatte der Chef des Magna-Konzerns damals erklärt. Als Zeichen des "Good will" überreichte Stronach damals (1. August 1998) der Austria ohne Konditionen den überdimensionalen Scheck, mit dem die Violetten Michael Wagner engagierten.

Doch mit einer Sponsortätigkeit alleine gab sich Stronach nicht zufrieden. Der Quer-Einsteiger hegte revolutionären Gedanken zur Neustrukturierung des heimischen Spitzenfußballs. Die Gründung einer Nachwuchs-Akademie sowie eine bessere und gemeinsame Vermarktung der Bundesliga über einen Sportwetten- und TV-Kanal waren seine zentralen Punkte, die er der Liga im November 1998 in Baden präsentierte. Ab dem Moment einer positiven Absichtserklärung stellte er pro Jahr jedem Klub zehn Millionen Schilling (726.728 Euro), in Summe also 100 Mio. S, in Aussicht.

Der Austro-Kanadier überzeugte den Großteil der Klub-Präsidenten, schon wenige Wochen später flossen die ersten Stronach-Millionen in diverse Klub-Kassen. Mit Salzburg, Tirol, GAK, Steyr und Admira/Mödling gab es die ersten Einigungen. Am 14. Februar 1999 folgte trotz Bedenken der ÖFB-Spitze die Wahl zum Bundesliga-Präsidenten, in der ordentlichen Hauptversammlung in Graz erhielt er 65 von 80 möglichen Stimmen.

Im Oktober 1999 schloss die Austria mit Stronach eine Grundsatzvereinbarung, die dem Verein 40 Mio. Schilling (2,91 Mio. Euro) pro Jahr garantierte, rückwirkend mit 1. Jänner 2000 wurde schließlich der Betriebsführungsvertrag abgeschlossen, der als wesentlichsten Punkt die Übernahme des Managments der Kampfmannschaft beinhaltet.

Seitdem gab es Diskussionen über Unvereinbarkeit Bundesliga-Präsident/Austria-Boss und am Verteilerkreis in Wien-Favoriten ein Kommen und Gehen von Spielern, Trainern und "violetten" Galionsfiguren. Die sportlichen Erfolge blieben im Vergleich zu den Investitionen von über 100 Mio. Euro (aktuelles Jahresbudget: 25 Mio. Euro) bescheiden. Ein Meistertitel 2002/03, Cupsiege 2002/03 und 2004/05 sowie der Einzug ins UEFA-Cup-Viertelfinale im vergangenen Frühjahr sind die Ausbeute. Das große Ziel, in Europa mitzuspielen, wurde allerdings weit verfehlt, selbst der Einzug in die Champions League blieb nur ein Wunschtraum.

Fast ungeteilte Zustimmung gab und gibt es lediglich für die Einführung der Nachwuchs-Akademien, jene der Austria in Hollabrunn wurde im Oktober 2000 eröffnet und soll von Stronach weiter gefördert werden. Die Abservierung von ehemaligen Austria-Größen wie Herbert Prohaska, Toni Polster oder Walter Schachner und mangelnde Erfolge haben zuletzt aber die Kritiken immer lauter werden lassen. Für die Generalversammlung am Donnerstag wurde schließlich ein Misstrauensantrag gegen das Klub-Präsidium eingereicht, dort kann die Stronach-Opposition nun die Führung des Vereins tatsächlich übernehmen.(APA)

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