Vassilakou als neues Zugpferd

5. März 2006, 19:30
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Glawischnig soll im nächsten Wahlkampf weibliche Verstärkung bekommen

Geht es nach den Plänen der grünen Bundesstrategen, soll Parteivize Eva Glawischnig im kommenden Nationalratswahlkampf weibliche Verstärkung bekommen: die Wiener Parteichefin Maria Vassilakou soll eine entscheidende Rolle in der Kampagne bekommen.

Zum einen soll Glawischnig dadurch entlastet werden, schließlich erwarten sie und ihr Mann Volker Piesczek im Mai 2006 ein Kind, wie sie am Wochenende auch offiziell verkündet hat. Die Art und Weise, wie die erfreuliche Botschaft publik wurde, sorgte parteiintern übrigens für einiges Kopfschütteln. Glawischnig hatte ihr Baby-Outing ausgerechnet mit der Ö3-"Frühstück bei mir"-Macherin Claudia Stöckl "exklusiv" vereinbart – manchen ein Beweis dafür, dass sie nach wie vor an der "Seitenblicke-Krankheit" leidet.

Zum anderen soll Vassilakou durch ihre Wahlkampfpräsenz stärker in der Bundespolitik verankert werden. Überraschend genug, zählt sie zu den wenigen relativ neuen Gesichtern bei den Grünen. Alle anderen (weiblichen) Spitzenkandidaten auf der Bundesliste sind alte Politikhasen wie Michaela Sburny oder Theresia Haidlmayr und repräsentieren nicht unbedingt jenes junge, urbane Lebensgefühl, das Vassilakou zugeschrieben wird. Außerdem passt ihr Migrantenhintergrund bestens ins Image-Portefeuille.

Es gibt aber noch einen strategischen Grund für Vassilakous Engagement: Die Wiener Parteichefin steht derzeit heftig in der Kritik, ihre Landesgruppe – und da vor allem die so genannten Fundis – nicht im Griff zu haben. Durch eine Aufwertung als Wahlkampfzugpferd würde auch die tendenziell aufmüpfige Wiener Landesgruppe stärker in die Wahlauseinandersetzung integriert. Die Hoffnung: ein Hauptangriffspunkt des politischen Gegners, allen voran der ÖVP (Stichwort "Linksruck"), ließe sich so neutralisieren. (DER STANDARD, Printausgabe, 22.11.2005)

von Barbara Tóth
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