Mit welcher europäischen Autoaktie fahren Sie am besten?

2. Dezember 2005, 13:10
10 Postings

Nach schwierigen und ereignisreichen Monaten in der Automobilindustrie ist die Frage gerecht­fertigt, wie gut Automobilaktien sind - Analyse von Alexander Haissl

In den letzten Wochen bzw. Monaten waren immer wieder Unternehmen der Automobilindustrie in den Schlagzeilen, sowohl positiv als auch negativ. Nach schwierigen und ereignisreichen 10 Monaten des laufenden Jahres in der Automobilindustrie ist die Frage gerechtfertigt, wie gut Automobilaktien tatsächlich sind. Generell kann gesagt werden, dass die Automobilindustrie schwierigen Umfeldbedingungen ausgesetzt ist. Der über Monate anhaltend hohe Rohölpreis sowie gestiegene Rohstoffkosten beeinflussen die Marktteilnehmer ganz gehörig. Die Folge dieser Effekte sind Versuche der Unternehmen, Umstrukturierungen vorzunehmen, um so die Kosten zu senken. Rückläufige Zahlen von Neuzulassungen im Oktober haben Automobilhersteller weiter unter Druck gesetzt. So ist die Zahl der PKW-Neuzulassungen in 15 EU-Ländern sowie Norwegen, Island und der Schweiz im Oktober um 2,6 Prozent zurückgegangen. Von den fünf größten europäischen Märkten konnten lediglich Italien und Deutschland Zuwächse verzeichnen. Die größten Rückgänge verbuchten die Automärkte in Großbritannien und Spanien. Im September haben die Automobilkonzerne noch ein Plus von 1,9 Prozent an Neuzulassungen erzielt.

BMW

Dem deutschen Automobilkonzern gelang es im Oktober, seinen Absatz um 6,6 Prozent weltweit zu steigern. In Europa hingegen musste das Unternehmen ein Minus an Neuzulassungen von 8,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr hinnehmen. Mitverantwortlich für die gute Performance ist die neue 3er Serie. Zudem hat BMW mit der Einführung des 1er BMW vergangenes Jahr ein neues Marktsegment erschlossen. Die Vorzüge von BMW gegenüber seinen Mitkonkurrenten bestehen in der Positionierung im Premiumsegment, da hier der Konzern nicht mit den meisten asiatischen Anbietern direkt im Konkurrenzkampf steht. Gegenüber VW und Daimler Chrysler ist die Aktie mit einem geschätzten KGV von 11,53 günstig bewertet. Im Unterschied zu vielen Mitstreitern blieb auch der Personalstand von BMW nahezu unverändert. Der deutliche Rückgang des Rohölpreises sowie der in den letzten Wochen deutlich stärker gewordene US-Dollar gegenüber dem Euro könnten dem Unternehmen zugute kommen.

VW

Nach dem Einstieg von Porsche bei VW verzeichnete die Aktie merkliche Kursanstiege. Obwohl auch der eingeschlagene Sparkurs bereits erste Erfolge zeigt, bleibt weiterhin Vorsicht geboten. In den ersten 9 Monaten gelang es dem Unternehmen, gegenüber dem Vorjahr 5,3 Prozent mehr Fahrzeuge abzusetzen. Trotz schwieriger Umfeldbedingungen in Europa und generell rückläufigen Absatzzahlen, verbuchte VW im Oktober ein Absatzplus von 5,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr, somit erhöhte sich auch der Marktanteil leicht. Der geplante Stellenabbau in den westdeutschen Werken belastet das Ergebnis möglicherweise bereits im vierten Quartal. Auch Probleme bei der VW-Tochter Seat könnten sich auf das VW-Ergebnis auswirken. Die spanische Tochter plant aufgrund von Absatzrückgängen und rückläufigen Marktanteilen insgesamt 1346 Stellen zu streichen, worauf die Arbeiter mit angekündigten Streiks reagieren wollen.

Daimler Chrysler

Dem deutsch-amerikanischen Konzern gelang es im Oktober, trotz rückläufiger Absatzzahlen in Europa die Zahl der Neuzulassungen um 4,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu steigern. Auch DaimlerChrysler befindet sich inmitten einer Phase von Umstrukturierungen. Durch den geplanten Stellenabbau versucht der Konzern, die strukturellen Probleme in den Griff zu bekommen und reagiert somit auf die schwieriger gewordenen Umfeldbedingungen in der Automobilindustrie. Im November gab der Konzern den Verkauf seiner 13%igen Beteiligung am japanischen Fahrzeughersteller Mitsubishi Motors bekannt. Durch den Verkauf verbessert sich das Finanzergebnis für das laufende Jahr um rund 500 Mio. Euro.

Renault

Mit einer gesenkten Prognose zur operativen Marge für 2005 hat der französische Autohersteller Renault die Anleger verunsichert. Die ursprüngliche Prognose von 4 % musste auf 3 Prozent nach unten korrigiert werden. Hauptverantwortlich hierfür ist der starke Nachfragerückgang in Europa, wo das Unternehmen im Oktober ein Minus von 11,5 % gegenüber dem Vorjahr an Neuzulassungen hinnehmen musste. Durch diesen deutlichen Rückgang ist auch der Marktanteil von 10,2 Prozent auf 9,8 Prozent gesunken. Im bisherigen Jahresverlauf weist die Aktie im Vergleich zum breiten Markt eine deutliche Underperformance auf.

Peugeot

Auch die Aktie von Peugeot ist unter Druck geraten, nachdem der Konzern seine Gewinnprognose nach unten revidiert hatte. Das Unternehmen leidet unter dem Absatzrückgang in Europa, was den größten Absatzmarkt repräsentiert. Im Oktober verzeichnete der Konzern ein Minus von 4,2 Prozent an Neuzulassungen in Europa gegenüber dem Vorjahr. Von der Belebung auf dem deutschen Automarkt profitierte der französische Hersteller hingegen. Im Oktober verzeichnete das Unternehmen in Deutschland deutliche Zuwächse.

 Kurs 18.11.2005Perform. seit 1.1.05KGV lfd. GJKGV n. GJ
BMW37,7213,79%11,5310,84
VW44,2132,56%18,2711,98
DaimlerChrysler43,2322,64%17,3611,88
Peugeot51,5510,39%8,757,54
Renault66,658,29%5,555,85

Fazit Für Unternehmen der Automobilindustrie sind die gegenwärtigen Umfeldbedingungen alles andere als angenehm. Der in den letzten Wochen deutlich gesunkene Rohölpreis sowie der deutlich stärker gewordene US-Dollar gegenüber dem Euro könnten vor allem europäischen Herstellern zugute kommen. Aufgrund der günstigen Bewertung und der guten Positionierung halten wir weiterhin an der BMW-Aktie fest, dem Sektor gegenüber bekräftigen wir jedoch unsere neutrale Haltung.

Alle Angaben trotz größter Sorgfalt ohne Gewähr. Die Informationen beruhen auf Quellen, die wir für zuverlässig erachten. Eine Garantie für deren Richtigkeit oder Vollständigkeit kann ebenso wenig übernommen werden wie für das Eintreten der Prognosen. Alle Meinungsaussagen geben lediglich die aktuelle Einschätzung der Autoren wieder, die sich ohne vorherige Ankündigung wieder ändern kann.

Der Autor ist Analyst bei BA-CA Asset Management:

BA-CA Asset Management
Share if you care.