Israel behält sich militärisches Vorgehen gegen den Libanon vor

23. November 2005, 17:00
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Shalom wirft Beirut Schwäche gegenüber Hisbollah vor - Angriffe auf Ziele im Südlibanon waren Reaktion auf schwerste Hisbollah-Angriffe seit 2000

Jerusalem/Beirut - Die israelische Regierung behält sich ein weiteres militärisches Vorgehen gegen die schiitische Hisbollah-Miliz im Nachbarland Libanon vor. Die "derzeitige Situation im Libanon kann so nicht weitergehen", sagte Außenminister Silvan Shalom am Mittwoch im israelischen Rundfunk. Er warf der libanesischen Regierung vor, sich nicht gegen die Hisbollah im Südlibanon durchsetzen zu können. "Niemand wagt es, die Hisbollah zu entwaffnen und die libanesische Armee im Süden zu stationieren." Israel werde "auf angemessene Weise" auf die Situation reagieren.

Bei Kämpfen zwischen israelischen Soldaten und Hisbollah-Aktivisten an der Grenze waren am Montag vier Kämpfer der Schiitenmiliz getötet worden. Am Dienstag griff die israelische Luftwaffe Ziele im Libanon an.

Israelische Kampfflugzeuge haben am Dienstag neuerlich Ziele im Südlibanon angegriffen. Verteidigungsminister Shaul Mofaz sprach von der umfangreichsten Reaktion auf Angriffe der schiitischen Hisbollah-Miliz seit 2000. Am Montag hatte die Hisbollah Mörsergranaten und Raketen in Richtung der israelisch-libanesischen Grenze abgefeuert.

Dabei wurden elf israelische Soldaten verletzt und ein Haus in einer israelischen Grenzgemeinde beschädigt. Die israelische Luftwaffe griff daraufhin mutmaßliche Verstecke der Hisbollah hinter der Grenze an. Fünf Untergrundkämpfer wurden getötet.

Hisbollah-Angriff vom Montag

Der Hisbollah-Angriff vom Montag sei der schwerste seit dem Abzug der israelischen Truppen aus dem Südlibanon im Jahr 2000 gewesen, sagte Mofaz im israelischen Rundfunk. Die israelische Reaktion sei die bisher massivste auf Versuche der Hisbollah, die Lage eskalieren zu lassen. Israel mache letztlich Syrien und den Iran dafür verantwortlich, so der Verteidigungsminister.

Die Hisbollah meldete am Dienstag zunächst einen israelischen Luftangriff, zog den Bericht aber Minuten später wieder zurück. Stattdessen hieß es im Hisbollah-Fernsehsender Al Manar, eine israelische Rakete sei knapp einen Tag nach ihrem Einschlag auf libanesischem Gebiet explodiert. Die radikale Schiiten-Organisation Hisbollah ist seit Juli in der libanesischen Regierung vertreten.

Rückzug des israelischen Militärs im Mai 2000

Israel hatte sich im Mai 2000 nach 22-jähriger Okkupation aus dem Südlibanon zurückgezogen. Der Libanon beansprucht auch das Shebaa-Gebiet, das weiter von Israel besetzt ist, weil es nach israelischer Auffassung ursprünglich zu Syrien gehörte und deshalb erst nach einem Friedensvertrag mit Damaskus geräumt werden soll. Syrien anerkennt die libanesischen Territorialansprüche.

UNO-Generalsekretär Kofi Annan hatte Israel aufgefordert, die Verletzungen des Luftraums des Nachbarlandes einzustellen. Ein Sprecher des US-Außenministeriums verurteilte die Angriffe der Hisbollah und forderte Israel gleichzeitig zu Zurückhaltung auf. Es dürfe keine Eskalation geben, sagte der Außenamtssprecher in Washington. (APA/AP/dpa)

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