Sarkozy lässt Trennung Staat-Religion überprüfen

2. Dezember 2005, 17:01
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Innenminister setzte Prüfungskommission ein - Laizismus seit 1905 in Kraft

Paris - Frankreichs Innenminister Nicolas Sarkozy hat eine Kommission eingesetzt, die über die Trennung von Kirche und Staat nachdenken soll. Das 15 Mitglieder zählende Gremium werde vom Juristen Jean-Pierre Machelon geleitet, berichteten französische Medien laut Kathpress am Montag. Er sei überzeugt, dass das Gesetz über die Trennung von Kirche und Staat aus dem Jahr 1905 einige Änderungen benötige, erklärte Sarkozy zur Ernennung der Kommission.

Aufgabe der Kommission sei es, mit Vertretern der Religionsgemeinschaften, Abgeordneten, Vereinen und Verbänden, Vertretern der Ministerien und Hochschulen zu beraten. Seinen Abschlussbericht soll das Gremium im Juni vorlegen.

Sarkozy plädiert für Änderungen, um unter anderem den Bau von Gotteshäusern staatlich finanzieren zu können. Dies würde auch den Muslimen zu Gute kommen; davon verspricht sich der Minister einen Rückgang des ausländischen - vor allem saudiarabischen, algerischen und türkischen - Einflusses auf den Islam in Frankreich.

Kirche skeptisch

Die katholische Kirche steht größeren Änderungen skeptisch gegenüber, weil sie Konflikte befürchtet. In einer Erklärung des französischen Episkopats vom Juni heißt es, es erscheine weise, das seit 1905 mühsam gefundene Gleichgewicht nicht in Frage zu stellen. Es brauche aber Lösungen für neue Fragen. 1905 stand die katholische Kirche dem Gesetz - das von der antiklerikalen Bourgeoisie durchgedrückt worden war - sehr kritisch gegenüber. Nach dem Ersten Weltkrieg hätten jedoch "Dialog, Nachbesserungen und Verhandlungen" eingesetzt, die zu einer Beruhigung beitrugen. (APA)

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