Höchststand: 40,3 Millionen Menschen leben mit dem HI-Virus

2. Juni 2006, 16:57
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Unaids veröffentlichte Jahresbericht - erstmals Beweise für Rückgang der Neuinfektionen - mit Grafik

London - Weltweit sind mehr Menschen mit dem Aids-Virus infiziert als jemals zuvor: Ende 2005 leben 40,3 Millionen Menschen mit dem HI-Virus, wie das Aids-Programm der Vereinten Nationen, Unaids, in seinem am Montag veröffentlichten Jahresbericht erklärte. Inzwischen zeichne sich jedoch ab, dass Präventionsmaßnahmen in vielen Ländern zu einem Rückgang der Neuinfektionen geführt hätten.

Seit der Entdeckung des Erregers 1981 erlagen ihm mehr als 25 Millionen Kranke. HIV/Aids ist damit eine der folgenschwersten Epidemien in der Geschichte, wie es in dem UN-Bericht hieß. Im vergangenen Jahr starben 3,1 Millionen Menschen, weitere 4,9 Millionen infizierten sich neu.

Rückgang der Neuinfektionen

Unaids-Chef Peter Piot erklärte jedoch, zum ersten Mal gebe es Beweise dafür, dass die Bemühungen zur Aids-Bekämpfung in den vergangenen fünf Jahren zu einem Rückgang der Neuinfektionen geführt hätten. Auch früher schon seien im Senegal, in Uganda und Thailand Verbesserungen zu verzeichnen gewesen, dies seien jedoch Ausnahmen gewesen, erklärte Piot. "Jetzt haben wir Kenia, mehrere karibische Länder und Simbabwe mit einem Rückgang (der Neuinfektionen)."

In diesen Ländern scheine sich das Sexualverhalten zu verändern. "Die Menschen haben zu einem späteren Zeitpunkt das erste Mal Sex, sie haben weniger Partner, sie verwenden häufiger Kondome", sagte Piot. "Ähnliche Trends gibt es auch in Ländern in Ostafrika, aber wir hatten nicht genug Daten, um sie in den Bericht aufzunehmen."

Den stärksten Rückgang verzeichnete Unaids bei schwangeren Frauen in Kenia. Dort ging die Infektionsrate von 28 Prozent im Jahr 1999 auf neun Prozent 2003 zurück. In der Karibik lobte Piot Barbados, die Bahamas und Bermuda.

Behandlung

Für die betroffenen Menschen in den Entwicklungsländern verbesserte sich nach Angaben von Unaids die Chancen auf eine Behandlung. Von den Infizierten dort erhielten eine Million Medikamente. Dies sei zwar immer noch zu wenig, aber die Menschen seien angesichts dieser Chance eher bereit, sich auf das Virus testen zu lassen. Die Behandlung habe im vergangenen Jahr etwa 300.000 Todesfälle verhindern können.

In diesem Jahr wurde etwas mehr als acht Milliarden Dollar (6,85 Mrd. Euro) für den Kampf gegen Aids in den Entwicklungsländern ausgegeben. Das sind zwar zwei Milliarden Dollar (1,71 Mrd. Euro) mehr als im vergangenen Jahr, aber immer noch deutlich weniger als nötig. UNAIDS schätzt, dass im kommenden Jahr neun Milliarden Dollar (7,71 Mrd. Euro) ausgegeben werden können. Gebraucht würden aber 15 Milliarden Dollar (12,84 Mrd. Euro).

Im südlichen Afrika, in Osteuropa sowie in Mittel- und Südasien breitet sich Aids nach Angaben der Organisation weiter aus. Vor fünf Jahren lebte noch einer von zehn neu Infizierten in Asien, heute ist es einer von vier bis fünf. Besonders betroffen sind China, Papua-Neuguinea und Vietnam.

>>> Auflistung weltweiter Aidszahlen und Fakten

Der am Montag vorgelegte Weltaidsbericht 2005 unterscheidet zehn unterschiedlich stark betroffene Regionen:

Region HIV-Infizierte / Aidstote in 2005

Afrika südlich der Sahara 25,8 Mio / 2,4 Mio
Süd- und Südostasien 7,4 Mio / 480.000
Lateinamerika 1,8 Mio / 66.000
Osteuropa und Zentralasien 1,6 Mio / 62.000
Ostasien 870 000 / 41.000
Nordamerika 1,2 Mio / 18.000
West- und Zentraleuropa 720 000 / 12.000
Nordafrika und Mittlerer Osten 510 000 / 58.000
Karibik 300 000 / 24.000
Ozeanien 74 000 / 3.600

Insgesamt 2005 40,3 Mio / 3,1 Mio

>>> Fakten zu Aids

Im Folgenden die jüngsten Statistiken der Vereinten Nationen.

  • Ende 2005 waren nach Schätzungen 40,3 Millionen Menschen weltweit mit HIV infiziert.

  • Geschätzte 4,9 Millionen Menschen infizierten sich 2005 mit dem Erreger.

  • Die Epidemie kostete 2005 rund 3,1 Millionen Menschen das Leben.

  • Zwei Drittel aller Infizierten lebten im südlichen Afrika genauso wie 77 Prozent aller Frauen mit HIV.

  • Weltweit hat weniger als ein Fünftel der gefährdeten Menschen Zugang zu Präventionsmaßnahmen.

  • Von den Infizierten wurde nach Schätzungen nur jeder Zehnte auf HIV getestet und weiß von seiner Infektion.

  • Bis Ende 2004 verloren 15 Millionen Kinder einen oder beide Elternteile an Aids, die meisten von ihnen in Afrika.

  • Als Folge der Epidemie nahm in einigen Ländern die Armut um fünf Prozent zu.

  • In Afrika erhalten weniger als acht Prozent der HIV-infizierten Schwangeren die notwendigen Medikamente, um eine Übertragung auf das Kind zu verhindern. (APA/AP/dpa)
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    Unaids
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      Deborah Landey, die neue Direktorin des UN-Programms UNAIDS, bei der Präsentation des neuen Aids-Reports in Genf.

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      Aids in Zahlen

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