Winterdienst in Wien: 1400 Männer im Schnee

23. November 2005, 17:41
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Bis zu 442 Fahrzeuge verfügbar - Generalprobe am Wochenende - Neue Kehrtechnologien versprochen

Die erste Flockerei in Wien: 442 Fahrzeuge standen Pflug bei Rad, bis zu 1400 Personen Schaufel bei Fuß – um 2800 Kilometer Straßen vom Schnee zu befreien. Die Generalprobe am Wochenende sei gelungen heißt es – und es werden neue Kehrtechnologien versprochen.

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Wien – Im Grunde genommen ist das mit dem Schneeräumen recht einfach: "Wenn jeder zehn Meter schaufelt, sind wir bald fertig. Wenn aber alle Hauseigentümer zuschaun, wie wir net fertig werden, dann dauerts", erläutert Josef Thon aus Erfahrung. Und als Leiter der MA 48 (Straßenreinigung) hat er genug davon – von der Erfahrung.

Während aber in Westösterreich bereits "Horrorszenarien" auf eingeschneiten Straßen beschrieben wurden und auch im Alpenvorland noch bis zu 40 Zentimeter vom Himmel batzten, konnten sich die Wiener Räumdienste in der Nacht zum Montag noch im harmlosen Gatschmatsch über eine gelungene Generalprobe freuen.

Möglichst kein Splitt

Die schon zwei Saisonen praktizierte Wiener Strategie wird jedenfalls heuer wieder fortgesetzt: Es wird – wenn irgend möglich – Feuchtsalz und möglichst kein Splitt gestreut. Bei Bäumen und Grünflächen gilt im Umkreis von zehn Metern ein Salzstreuverbot.

So wurde die Steinderl- Menge auf den Straßen von 33.530 Tonnen in der Saison 2002/03 fast um die Hälfte reduziert: auf 17.515 Tonnen im verwichenen Winter. Gleichzeitig blieb die ausgestreute Salzmenge mit 12.106 Tonnen weitgehend stabil, bilanzierte Umweltstadträtin Ulli Sima (SP) am Montag.

Umstellung auf Feuchtsalz

Die wichtigsten Neuerungen für dieses Jahr: Nach und nach sollen auch die privaten Räumdienste auf Feuchtsalz umgestellt werden. Was aber auch von den eingesetzten LKW abhängt.

Wirklich interessant wird es heuer allerdings dann nachher, wenn es wieder an's Einkehren geht. Schon im Vorjahr sei es gelungen, die Dauer des Splitt-Wegräumens zu halbieren. Für heuer gilt: "Nach einem erfolgreichen Pilotversuch im Vorjahr kommen jetzt Sole-Kehrmaschinen zum Einsatz", kündigt Sima an. Denn bisher habe man immer auf Plusgrade warten müssen – "da mussten wir trotz hoher Feinstaubwerte im vergangenen Jahr einmal ein, zwei Wochen warten", erinnert Sima. Jetzt ermögliche die Salzlösung aber ein staubfreieres Einkehren des Splitts auch schon bei Minusgraden.

Doch auch hier muss Thon an den kollektiven Putzgeist appellieren – da auch für das Spitt-Wegräumen auf den Gehsteigen die jeweiligen Hauseigentümer zuständig sind.: "Wir können's kurz halten, wenn die Privaten mitspielen – so um die drei Wochen. Aber wenn ständig wer anderer was auf die Straße runter kehrt, ist das beliebig verlängerbar." (Roman David-Freihsl, DER STANDARD – Printausgabe, 22. November 2005)

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    Die Wiener (Salz-)Lösung seit zwei Jahren: Gezieltes und dosiertes Feuchtsalz-Streuen sollen den Splitt minimieren.

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