Suche nach lang anhaltendem Tuberkulose-Impfstoff

27. November 2005, 19:05
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Dänisches Institut arbeitet mit Intercell zusammen

Ein Kandidat-Impfstoff für eine neue Tuberkulose-Vakzine des dänischen Statens Serum Instituts und der Wiener Intercell AG geht in die Phase-I der klinischen Prüfungen an Probanden. Die Vakzine soll im Gegensatz zum verwendeten BCG-Impfstoff nicht nur vor den schwersten Formen der Tuberkulose, sondern vor der Infektion selbst schützen. Es handelt sich um eine Spalt-Vakzine aus Oberflächenantigenen der Mykobakterien, die durch das von Intercell entwickelte Zusatzmittel IC31 verstärkt wird.

"Die Vakzine wird an rund 50 Probanden in verschiedenen Dosierungen auf Verträglichkeit und zur Dosisfindung erprobt. Die Teilnehmer erhalten bis zu drei Impfungen. Natürlich wird auch die Immunantwort bestimmt", so Intercell-Vorstandsvorsitzender Gerd Zettlmeissl. Intercell hat seinen Sitz im vom Regionalentwickler Prisma verwalteteten Vienna Biocenter 2.

Verbreitung

Weltweit sind rund zwei Milliarden Menschen mit Tuberkulose infiziert. Pro Jahr sterben an der Krankheit der Armen, der Migranten und der Bevölkerung in Kriegs- und Krisenregionen rund 2,3 Millionen Menschen. Die herkömmliche BCG-Vakzine, ein Lebendimpfstoff, wirkt nur sehr eingeschränkt. Bei Kindern wirkt sie nur zehn bis 15 Jahre. Für Erwachsene ist sie nicht geeignet. Sie verhütet nur die schwersten Formen der Tuberkulose. Wichtig wäre ein Impfstoff, der von Anfang an und lange Infektion mit Tuberkulose-Bakterien verhindert. Das Problem bei den neuen Totimpfstoffen liegt aber darin, dass sie im Vergleich zu Lebendimpfstoffen mit abgeschwächten Erregern nur eine Antikörper-Reaktion, aber keine Produktion von zytotoxischen T-Zellen gegen infizierte Zellen hervorrufen. Deshalb wird bei dieser TB-Vakzine versucht, das Manko durch das Zusatzmittel zu überwinden.

Ob die Vakzine wirklich einen schützenden Effekt hat, wird sich erst in weiteren Studien an mehr Probanden - voraussichtlich in Afrika - herausstellen, wenn Verträglichkeit und Immunogenität in der Phase-I-Untersuchung belegt sind. Damit könnte bei erfolgreicher Phase-I schon 2006 begonnen werden. (red, DER STANDARD, Print, 21.11.2005)

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